Was geht es uns an, heißt es, wenn die Nachrichten aus dem Iran kommen, spärlich, zeitverzögert, verstörend, unglaublich. Der Iran, heißt es am Stammtisch und in der Postingmanege, ist weit weg, ganz weit weg, ist uns fremd. Wir hier in Schnitzelland haben keinen Bezug zu diesen Leuten. Gemeint sind da wohl die Bösewichte mit den Mullahbärten, die tiefverschleierten Sittenwächterinnen, die Schlägertrupps auf ihren Mopeds, die krawattenlosen Hardliner mit ihren grauen Gesichtern. Die sind uns allzu fremd. Die anderen, die Ermordeten, die Geschändeten, die von den Baukränen Hängenden, die Vergewaltigten und Hingerichteten, das sind die, uns nahe sein sollten, und vielen auch nahe sind. Ihre Verwandten und Freundinnen und Freunde leben hier. In der Diaspora, im Exil. In ständiger Angst um die Zurückgelassenen. Und in fortwährender Verstörung. Sie leben hier bei uns, weil sie Teil des Westens sind und immer Teil des Westen waren. Orientalische Westler und westliche Orientalen, wenn man das so flapsig sagen möchte.
Die Iraner·innen haben keinen Humor, jedenfalls nicht unseren, heißt es dann. Stimmt doch garnicht, antworten die Fans von Michael Niavarani und Aida Loos. Sie singen seltsam und tanzen anders. Stimmt doch garnicht, ruft uns Freddie Mercury aka Farrokh Bulsara von seinen Platten und aus seinen Videos zu.
Perserinnern und Perser, Iranerinnen und Iraner sind Leute wie wir. Sie sind nicht weit weg. Auch wenn wir das glauben sollen. Hoffen wir, dass Ihnen der Krieg des Donald Trump bessere Zeiten bringt und nicht nur neues Leid.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 7. März 2026.