Soviet Hero

Comandantina Dusilova

 by Andrea Maria Dusl

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Wie lang ist die Meile?

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 23/2015

Liebe Frau Andrea,

im Falter 16, Seite 29 wird die neue "Kulturmeile" Johannesgasse beim Metro Kinokulturhaus vorgestellt. Bei uns in Salzburg ist die "Flaniermeile" Griesgasse im Entstehen. Die wird nach Fertigstellung ca. 150! Meter lang sein. Viele andere Meilen sind kaum länger. Weshalb ist dieser Begriff aus dem heutigen Alltagssprachgebrauch nicht mehr wegzudenken und wie ist er entstanden?

Danke, liebe Grüße und schönes Wochenende,
Franz Brandstetter, Salzburg, per Email


Lieber Franz,

das römische Längenmaß der Meile bezeichnete genau 1000 Schritte. Der Begriff ist entlehnt aus ‘mille passus’ (Tausend Schritte). Jede, die schon mal versucht hat, einen dieser römischen Schritte tatsächlich zu gehen, ist mit der Erkenntnis konfrontiert, dass da etwas nicht stimmen kann. 148,18 Zentimeter (eine Tausendstel der Römermeile) lassen sich unmöglich mit einem Schritt tun. Die Römer meinten mit einem Schritt allerdings den Doppelschritt, also zwei volle Auschwünge jeden Fußes. Von rechtem Fußabdruck zum nächsten rechten. Nach dem Untergang des Imperiums entwickelten sich unterschiedliche Längen der Meile. Alleine in Italien gab es die Lombard-Meile (1784,808 Meter), den Piemont-Miglio (2466,0768 Meter), die Venediger Meile (1738,876 Meter), die Meile aus Palermo (1486,656 Meter), die aus Neapel (1855,11 Meter) und die Toskanische Meile (1653,6748). Die Londoner war 1.524 Meter lang, die Statue Mile (sie gilt heute als Meile) 1.609,3426 Meter, die US-Amerikanische Survey Mile maß 1.609,3472 Meter, die österreich-ungarische Postmeile gar 7,5859 km. In Deutschland mit seinen vielen Kleinstaaten konnten die Meilenmaße alle paar Meilen wechseln. Aus dem Mittelalter kennen wir den Rechts-Begriff der Bannmeile, in Frankreich wurde daraus die “Banlieue”, die Vorstadt. Die Attitude, einen Straßenzug mit spezifischer kultureller Ausrichtung, mit “Meile” zu bezeichnen, kommt höchstwahrscheinlich aus den Rasterstädten der USA. Eine legendäre frühe “Meile” ist die Magnificent Mile (auch: Mag Mile) - die Einkaufs- und Theaterstraße Michigan Avenue in Chicago. In Analogie zur geschützten Marke “Magnificent Mile” sprechen wir von Flaniermeilen, Theatermeilen, Kulturmeilen, von sündigen und von Fanmeilen. Ganz egal, wie lang sie sind. Die Einführung einer Flohmeile würde uns also nicht wundern. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

26. Mai 2015 (0) Comments

Land der Preise

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 23.5.2015.

Welchen Preis hat Österreich? Befragten wir Nationalökonomen, Immobilienhändler, Schätzmeister von Auktionshäusern und Gerichtsexekutoren, kämen wir auf eine astronomisch hohe Summe. Österreich ist mit großer Wahrscheinlichkeit und nach irdischem Ermessen unbezahlbar. Dennoch fliesst ununterbrochen Geld im Land. Auch die Ströme sind weitgehend bekannt. Zumindest ihre Richtung. Geld fließt in Österreich stets bergauf. Von unten nach oben. Das ist, man lese dazu Piketty, nicht nur hier so, das liegt im System, und es werden keine großen Anstalten gemacht, das auch nur graduell zu ändern. Wer sich zu den Wohlhabenden zählt und dennoch über hohe Steuerbelastung und augenweissdezimierende Abgaben mokiert, ist vor allem eines nicht: Wohlhabend. Gilt doch das eherne Gesetz, das reich nur ist, wer reicher wird.

Auf der Suche nach Österreichs Preis wird die Forschung an zwei Orten nicht vorbeigehen können: Kitzbühel und Zeltweg. Die beiden großen Pisten des Landes sind laureatorische Großgefilde. Bekränzte und Pokalbedachte müssen auch gar nicht dem Staatsvolk angehören (und tun dies in der Regel auch nicht). Eine Großzügigkeit, die am anderen Ende der Transferskala nicht mehr zu beobachten ist. Flüchtlinge kommen in Zelte, Asylsuchende ins Lager. Höchstleistungen auf sozialem Gebiet sind verpönt.

Dennoch wird in Schnitzelland fleissig am Preis geschraubt. In den Regalen stehen Sparmeisterprodukte, an den Kassen lassen sich Sparmarkerln ernten. Wir dürfen darin durchaus einen der Tanzpartner aus der erfolgreichen Paarung “Brot und Spiele” erkennen. Wer aber wäre nun der andere? Das Großereignis mit österreichischer Beteiligung. Die Fußballeuropameisterschaft war solch eine Einmaligkeit. Sie auszurichten wird sich nie mehr wiederholen. Dennoch gilt für immerdar: Dabeigewesensein war alles. Ausgerichtethaben und Dabeigewesensein wird auch beim Songcontest die realistische Hoffnungsoption sein. Allein, eine hat uns in diesem Spiel der goldenen Brote (nach Udo) einen dicken Lidstrich durch die Rechnung gemacht. Conchita Nationale, Barbarella aus Mitterndorf. Hat uns die, so Preis-Kommentator Knoll, “den Schas doch tatsächlich gewonnen.”

Land der Berge, preisereich.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 23.5.2015.

24. Mai 2015 (0) Comments

Rede aufnehmen, Glas einschneiden

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 22/2015

Liebe Frau Andrea,
 
eine neue Frage, die mir am Herzen liegt, und deren Aufklärung wohl fachkräftiger detektivischer Unterstützung bedarf: In seiner Weihnachtsansprache sprach Kanzler Figl unter anderem davon, dass er "kein Glas zum einschneiden" bieten könne. Ich bitte um Aufklärung, was hiermit gemeint ist, ich bin ratlos.

Liebe Grüße,
Roman Nussgruber, per Email


Lieber Roman,

"Ich kann euch zu Weihnachten nichts geben. Ich kann euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben. Ich kann euch keine Gaben für Weihnachten geben. Kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden... Wir haben nichts. Ich kann euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich..."

Die legendären Sätze gehört zum innersten Mythenschatz der Zweiten Republik. Gleichwohl ist an diesem Durchhalteappell vieles mysteriös, hat Figl die Rede doch mindestens zweimal gehalten. Ein erstes Mal am 24.12.1945 im Radio, als Weihnachtsansprache. Von dieser Rede an die noch mindermonatige Nation gibt es allerdings weder eine Tonbandaufnahme noch ein Manuskript. 1965 hielt Figl die Rede ein zweites Mal, kurz vor seinem Tod, in kleinem Kreise. Nach umfangreichen Recherchen in Zeitungen, Büchern und Parteibroschüren hatte Hans Magenschab, Planungsverantwortlicher einer 20-Jahre-Kriegsende-Show am Stephansplatz die Figl-Rede rekonstruiert. Retrospektiv neuerfunden, wie manche meinen. Mangenschabs Freund, der spätere ORF-Intendant Ernst Wolfram Marboe, ein Großneffe und Verbindungsbruder Figls, organisierte die Aufnahme, der Altkanzler, schon sterbenskrank, approbierte den Text und las ihn wirkungsvoll vom Blatt. Die erwähnten fünf Sätze stammen wahrscheinliuch aus einer Festschrift, die 1962 zum 60. Geburtstag Figls erschienen ist. Dort ist diese Passage allerdings als "Weihnachtsbotschaft" ausgewiesen, nicht als "Rundfunkrede".

Zur Sache: Mit Glas zum Einschneiden waren nicht Scherben zum Öffnen der Pulsadern gemeint, vielmehr bezeichnet der Ausdruck das Einfügen neuen Fensterglases anstelle im Krieg zerborstenen. Dass Glas nicht geschnitten, sondern geritzt wird (und entlang dieser Linie gebrochen), ging im Jubel um einen anderen Figl-Sager unter: “Österreich ist frei”. Ebenfalls frisch nachsynchronisiert.
www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

19. Mai 2015 (0) Comments

Stolpern im Majuskelsalat

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 21/2015

Liebe Frau Andrea,
 
wie schreibt man Akronyme? In einem Leserbrief wurde S.W.I.F.T. (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) zu “Swift” verballhornt. Nun glaube ich mich zu erinnern, dass eine Zeitung einmal entschieden hat, Kleinbuchstaben zu verwenden. Dem stehen aber Schreibweisen wie UNO, SVA, UNESCO usw. gegenüber. Vielleicht haben Sie eine Erklärung!

Freundlich grüßt
Peter Jürß, Ottakring, per Email


Lieber Peter,

wenn sich ein Firmenschild auf dem Feld der Aufmerksamkeit behaupten will, gelingt ihm das mit “P.S.K.” ein klein wenig besser als mit “Postsparkasse”. Noch besser sind Abkürzungen, die ausgesprochen den Eindruck eines tatsächlichen Wortes vermitteln, wie BAWAG, UNO und UNESCO. Der Leichtgängigkeit des Aussprechens solcher Buchstabenworte folgt mit zunehmendem Bekanntheitsgrad eine Tendenz zur Verwortung derselben. Dazu gesellt sich der Wunsch von Zeitungsgestaltern, einheitliche Schriftbilder zu produzieren. Wir lesen also längst von Pkws und Lkws, Azubis (Auszubildenden) und Vokuhilas (vorne kurz, hinten lang). Bei manchen Markennamen fiele uns gar nicht auf, dass sie schon so in die Welt gesetzt wurden. Wer dächte bei Hanuta an “Haselnuss-Tafel”, bei Haribo an “Hans Riegel Bonn”, Unimog an “Universal Motorgerät” oder Adidas an “Adi Dassler”? Gänzlich widerspruchslos halten wir Radar (RAdio Detection And Ranging - frei übersetzt: “Funkortung und -abstandsmessung“) und Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation - Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung) für Wörter mit etymologischer Genealogie. Als Gegenbewegung dürfen wir das Apronym verstehen, eine Abkürzung, deren Buchstabenfolge ein existierendes oder scheinbar existierendes Majuskel-Wort ergibt, im Idealfall gar die Erläuterung des Begriffs. Besonders Großorganisationen wie die USA, die NATO oder die EU gefallen sich in der Produktion von Apronymen. Ein Beispiel gefällig? USA PATRIOT ACT (Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism) Ein sehr altes Beispiel gefällig? “ICHTYS”, das griechische Wort für Fisch, gleichzeitig das Erkennungssymbol der ersten Christen: Iesòus Christòs Theòu Yiòs Sotèr (Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser). Zum Abschluss der all-time-hit “FIAT”: Fehler in allen Teilen). www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

16. Mai 2015 (0) Comments

Die Österreichmaschine

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 16.5.2015.

“Dir werma geben!” ist ein böser Spruch. Ein österreichischer Spruch. Härter als jedes Urteil, unausweichlich, unheilsbringend. Sehen wir uns den Ausruf an, leuchten wir in die Tiefen dieser gängigen Drohung. Wer sind die Akteure, was wird angekündigt? Wer ist wer, wem gilt was? Das Subjekt, die Geberseite bösen Ungemachs, versteckt sich in der Silbe “ma”, soviel wie “mir”, angehängt an das unverfängliche “wer(n)”, “wer(den)”. “Dir werden mir geben” heißt der Schadenszauber in seiner ganzen Breite, “Dir werma geben!” Zwei Objekte also. Kein Subjekt. Eine Täterseite, die sich selbst auch als Opfer sieht. Seltsam, aber nicht unerwartet. Wir befinden uns in Österreich. Kleines ist groß, Großes klein, aber nicht immer, das aber stets.

“Dir werma geben!” Die Betroffenen stehen fest. Was wird gegeben? Forschen wir weiter. “Dir werma geben!”, lautet der Spruch, nicht: “Dir werma’s geben!” Die Gabe wird nicht kolportiert. Nicht ihr Ausmaß, nicht ihre Art. Gelehrte Österreicher (mithin alle Österreicher) wissen, was gegeben wird. Auch wenn es nicht ausgesprochen wird. Gegeben wird, was auch immer. Gegeben wird, was gerade da ist. Der Anlass erzeugt die Mittel, das Mittel oft den Anlass.

“Dir werma geben!” ist der ultimative Drohruf. Es wäre nun nicht Österreich, gäbe es nicht auch eine Steigerung des Extremen. Schlimmer noch als “Dir werma geben!” ist “Dir werma scho geben!” Scho. Scho ist hier der Zünder. Ein Wörtchen wie ein Schlag. Es birgt Trotz und Terror, Bosheit und Brutalität. Auch das Scho lässt sich grösser fassen. Scho, scho. Der Dämpfer jeglicher Eskalation, das Antidotum. Jedem “Dir werma geben!” liesse sich entgegenen: “Scho scho.” Schon, schon. Schau ma mal.

Die Machtanzeige des “Dir werma geben!” lässt sich nicht nur im Zwischenmenschlichen abrufen, auch die Behörde bedient sich ihrer. Die ultimative Drohung, die Österreich tätigen kann, ist der Bescheid. Im Bescheid fasst sich Österreich zusammen. Nicht in Kenntnis, Kunde oder Können. Im Bescheid, im Dirwermagem.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 16.5.2015.

............................

Aus vielfach gegebenem Anlass hier eine etymologische Hilfestellung für Twitter-People:
"Dirwermagem" ist lautmalerisch für "Dir werma geben", "Dir werden wir (es) geben".

16. Mai 2015 (0) Comments

Otto, schenk den Tee!

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 20/2015

Liebe Frau Andrea,
 
neulich sassen wir zusammen, tranken Tee und eine von uns schwärmte von der Schenk-Mixtur, auf die ihre Großmutter einst schwörte. Wir konnte nicht herausfinden, was damit gemeint sein könnte. Wissen Sie mehr?

Mit freundlichen Grüßen,
Bärbel König, per Email


Liebe Bärbel,

mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der erwähnten Mixtur um eine Teemischung, die sich der Schauspieler, Opernregisseur, und Anekdotenproduzent Otto Schenk in der Wiener Traditions-Teehandlung Schönbichler mischen lässt. Die Mixtur ist auch dem Publikum zugänglich und firmiert auf der Schöbichler-Teekarte als Otto-Schenk-Mischung. Der Mime ist ein langjähriger Kunde und Verehrer des Geschäfts und lässt sich seinen Spezialtee regelmässig von der Haushälterin besorgen. Er sein ein sehr großer Gegner von Ritualen, Jubiläen, Festen, gibt Otto Schenk dialektisch bekannt, also trinke er, wie jeden andern Tag, seinen Earl Grey, die "Schenkmischung" vom Schönbichler. Kein Zucker, keine Milch. Alles, was man dazugebe, ermorde den Tee. Hier halten wir inne, um uns in die Rezeptur der Otto-Schenk-Mischung zu vertiefen. Die “originelle Mischung”, so die Fa. Schönbichler lapidar, bestehe aus Earl-Grey-Tee, Jasmintee und etwas Rauchtee. Ein genaues Mischungsverhältnis wird nicht bekanntgegeben. In der Schenk-Literatur zirkuliert auch ein anderes Rezept: Souchong, Earl-Grey und “etwas” Jasmintee. Forschungen sind im Gange und werden bessere Ergebnisse liefern. Alle drei erwähnten Tees verstehen sich ihrerseits als Spezialitäten. Rauchtee oder Lapsang Souchong ist kräftiger, großblättriger chinesischer Schwarztee, der im Rauch schwelender Kiefernwurzeln, wahlweise auch über brennendem, harzreichem Fichtenholz geräuchert, in einer Pfanne geröstet, gerollt und oxidiert wird, bevor er nochmals in Bambuskörben über Kiefern- oder Fichtenholz fertiggeräuchert wird. Earl-Grey-Tea, benannt nach einem britischen Aristokraten, ist ebenfalls Schwarztee aus China, aromatisiert mit dem ätherischen Öl der Bergamotte, einer raren Zitrusfrucht. Das dritte Schenk-Ingrediens schliesslich ist Grüntee (oder halbfermentierter Tee) in den, je nach Verfahren, durch Vermischung mit den Blüten oder Bedampfung über einem Blütenbad das Aroma der Jasminblüten eingebracht wurde. Man versteht den grossen Rauner Schenk. Jede weitere Geschmacks-Zutat geriete zum Overkill. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

10. Mai 2015 (0) Comments

Muttertag - Basteltag

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 9.5.2015.

In diesen Tagen ging ein handwerklicher Ruck durchs Österreich. Landauf, landab, stadtein, stadtaus haben kleine Menschen viel Muße und Klebstoff dazu verwandt, ihren Müttern schöne Sachen zu basteln. Mit Hilfe vorschulischer Experten, gestaltungsmutiger Väter und satriebegabter Großmütter haben sie Sperrholz in Schlüsselbretter verwandelt, Bast in Girlanden und Wolle zu bunten Topflappen verhäkelt. Schuhkartons wurden bemalt, Kluppen arangiert und viel Papier in herzförmige Form gebracht. Der Muttertag ist ein großer Tag im Leben kleiner österreichischer Menschen. Ein Tag der Gaben, eine klein wenig wie Weihnachten, ein bisschen wie der Valentinstag, aber insgesamt sentimentaler und reicher an Gedichten. Mütter sind gerührt und betroffen zugleich, gilt es doch, Geschenke ohne Nutzen in gebührender Form zu würdigen, echte und gespielte Tränen zu vergiessen und insgesamt dafür zu sorgen, dass die Festlichkeiten nicht ausarten. Müttertage sind Tage der Mühe.

Von zentraler, weil sinnstiftender Bedeutung für das Gelingen eines Muttertags ist das Hervorrufen von Rührung. Rührung ist die Schleuder, die die Beteiligten jedes Jahr aufs Neue in dieses Fest wirft. In einer Welt maschineller Produkte ist Handwerk geeignet, solche Rührung hervorzurufen. Kindliches Handwerk, roh und unverfälscht. Ein ganzes Land hat Erlebnisse auf diesem Gebiet gesammelt. Die Berufsstände der Kindergärtnernden und bildnerisch Erziehenden verwandeln ihre Expertise auf dem Gebiet gestalterischen Dilettierens in Anleitungen zum Selbermachen. Selbergemacht aber heißt: billig gemacht. Kenntnisse, die später im österreichischen Leben im Rahmen von Pfusch und Nachbarschaftshilfe bleibende Werte schöpfen werden.

Der Muttertag offenbart die Tiefe des österreichischen Dilemmas. Kunst ist stets weniger Wert als Kitsch. Wo andere recyclen, also Unbrauchbares zu Brauchbarem verwandeln, gefallen sich die Österreicher als Bastler. Als Proponenten jener Fertigkeit, Unbrauchbares in anderwertig Unbrauchbares zu verwandeln. Hoch die Mutti! Hoch die Bastelkunst!

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 9.5.2015.

9. Mai 2015 (0) Comments

Über Mütter

Andrea Maria Dusl. Für den Standard vom 9./10. Mai 2015. (Die anderen Texte schrieben Gertraud Klemm, Andreas Maier und Lojze Wieser.)

Mutti sagte man damals. Zu den Zeiten, als meine Erinnerung einsetzt. Mutti sagte man damals und meinte die Mutter. Mutti war die moderne Version des lieben Mütterleins, die Wirtschaftswunderversion, die Wirtschaftsmutterversion. Der Mutti zu Ehren wurden Kluppenhälften zu Untersetzern verbastelt, Kochlöffel bemalt, Topflappen gehäkelt und Schlüsselhaken in Sperrholzbretter gedreht. Dies und anderer Geschenkeunsinn mehr. Der Blumen Meere nicht zu vergessen.

Zumindest in meiner Familie gab es keine Mutti. Es gab die Mama, sie war groß und stabil (oder klein und stabil), und es gab nicht nur eine. Der Mamas gab es viele. Bei uns in Mamaland. Meine Mama war die Mamamonica, meiner Mutter Mutter die Mamamargit. Vaters Mutter firmierte als Mamadora, Mamas Muttersmutter, sie hatte nur ein Bein und war die Frau eines Seekapitäns, war die Mamasigne. Mamavaters Mutter, eine Königin von Saba, lief familienintern unter Mamamartha. Sehr kompliziert, das Mütterregime. Multinational, vielsprachig, aber matriarchal. Wer auf die Idee kam, die Mütter in meiner weitverzweigten Familie durchzumamifizieren, ist nicht eruiert.

Das Mamanomwesen war indes nicht die einzige Möglichkeit, die eine von der anderen Mutter, das eine Gebärverhältnis vom anderen zu scheiden. Die Mamatitel waren nur die offiziellen Bezeichnungen, die Benennungen für Hochfeste und Familienkonvente. Deren gab es viele und umfangreiche. Im täglichen Gebrauch hatte jedes Kind in meiner großen, ja sehr großen Familie eine Privatbezeichnung für jede Mutter, jede Großmutter und jede Urgroßmutter. Dass die Schwestern, Tanten, Töchter, Nichten und Großverwandte weiblichen Geschlechts ebenfalls betitelt waren, versteht sich.

Meine Mutter hieß erwähnterweise nicht Mutti, nicht Mama allein, meine Mutter hieß geschwisterintern "Knackin". Was sich mein Bruder, der Originator dieses Titels bei der Benennung gedacht haben mag, wurde noch nicht erforscht. Auch meine Großmütter mütterten nicht, ich nannte sie Mummu und Mussima. Mamas Großmütter? Großis und Mammele. In Momenten matriarchalischer Einkehr fantasiere ich eine Genealogie dieser Sonderbezeichnungen und ihrer ideengeschichtlichen Hafenplätze.

Von den Vätern in meiner Familie sind keine Sonderbezeichnungen und Papafizierungen bekannt. Ein Vater hieß bei uns maximal Papa. Er stand brav am Herd, kümmerte sich um die Kinder, fuhr zur See, spielte Klavier. Was Papas so machen. Die Szepter führten bei uns die Mütter. Ihnen gehörten die Häuser und Fabriken, die Kutschen und Autos, sie planten und ersannen, führten zusammen, bauten aus. Die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter waren bei uns die Chefs. Die Chefinnen. Und wenn sie noch nicht gestorben sind, dann cheffen sie noch heute.

Muttertag, der Anlass für diesen Report, wurde bei uns niemals gefeiert. Schon die Idee eines solchen Feierdatums wäre familienmütterweit als Absurdum empfunden worden. Bei uns, ich spreche hier von wehmütigem Glück, war jeder Tag Muttertag.

Andrea Maria Dusl. Für den Standard vom 9./10. Mai 2015. (Die anderen Texte schrieben Gertraud Klemm, Andreas Maier und Lojze Wieser.)

9. Mai 2015 (0) Comments

Fangen, Entkommen und das Zwischenreich des Leo

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 19/2015

Liebe Frau Andrea,
 
als Steirer frage ich mich schon seit längerem, woher der, primär in Wien gebräuchliche Ausdruck "im Leo sein” für "in Sicherheit sein” stammt. Hat dies etwas mit den Babenbergern zu tun?

Mit freundlichen Grüßen,
Roman Nussi, per Email


Lieber Roman,

über die weitreichende regionale und soziale Verbreitung des Fangenspiels gibt es weniger Diskussionen als über die Kenntnis des Wortes “Leo” für ein spieltechnisches Freimal. Im deutschen Sprachraum kursieren zahlreiche, sehr unterschiedliche Bezeichnungen für das Asyl im Fangenspiel - Aus, Bahne, Bedeut, Biet, Boot, Bord, Borde, Botte, Botti, Bude, Bunde, C, Christ, Dreier, Frei, Freio, Friede, Halu, Hamme, Haus, Heim, Hola, Hole, Horre, Inne, Kelle, Klipp, Klippo, Kobi, Leo, Los, Lou, Mal, Malle, Mi, Otte, Pax, Pott, Potte, Pulle, Rome, Ruder, Stand, Wupp, und Zick. Das erwähnte “Leo” wird traditionell als Kurzform von Lepod, Lepoid oder Leopold begriffen und mit dem Babenberger Leopold VI., genannt der Glorreiche, Herzog von Österreich und der Steiermark in Verbindung gebracht. In dieser Etymologie wird wahlweise der damaligen Kirche als auch dem Landesherrn ein Asylrecht zugesprochen. Als sagenhafte Freimale werden ein Stein vor der Schottenkirche und ein Ring am Stefansdom als spezifische, asylauslösende Abklatschorte erwähnt. Trotz der bestechenden Evidenzen scheint es sich bei der Verbindung des Leo im Fangenspiel mit dem Babenbergerherzog um ein volksetymologisches Konstrukt zu handeln. Größere Wahrscheinlichkeit dürfen wir einer Herkunft zusprechen, die eine Verwandtschaft des Leo mit dem mittelniederdeutschen “le(he)” und dem altsächsischen “hleo” (in der Bedeutung “Schutz, Decke”) sehen. Le(he) und hleo kommen vom gemeingermanischen *hlewa, “schützender Ort, Obdach. Seglern ist das Wort freilich von “Lee” bekannt, der dem Wind abgekehrten, (wind)geschützten Seite des Schiffs. Über Zusammenhänge zwischen “Lee” und “lau” (mild, warm) diskutiert die Sprachwissenschaft noch. Gendermässig können wir auch Differenzierungen anbieten. So bezöge sich “der” Leo auf den Herzog, “das” Leo auf die Funktion des Obdachs. Das ursprüngliche Uraltwort zu Leo, hleo und *hlewa, war jedenfalls feminin. Die Leo also. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

3. Mai 2015 (0) Comments

Einigermaßen genervt

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 2.5.2015.

So könne es nicht weitergehen, gab Hans Jörg Schelling, Finanzminister der Republik, am Rande einer Sitzung der Euro-Gruppe bekannt. Er sei “schon einigermaßen genervt mit der Sache". Mit der "Sache”, daran ist kein Zweifel zu erheben, kann nur die Griechische Sache gemeint sein, manifest geworden in der Person von Schellings griechischem Amtskollegen Varoufakis. Und in seinem Verhalten. Beziehungsweise seinem Nichtverhalten - dem Nichtvorlegen gewünschter Zahlen. Der griechische Finanzminister habe damit - man versteht, das nervt - Schuld daran, dass die Eurogruppe ständig Sondersitzungen mache und zu keinem Ergebnis komme. Dies “könne nicht sein”, betont Schelling, “wir verlieren einfach zu viel Zeit". 

Der Finanzminister der Republik ist in dieser Vehemenz das erste mal genervt von einer Sache. Es muss also eine wirklich nervige Sache sein, die ihn da plagt. Weit nerviger als das Milliardengrab Hypo, um Kategorien nerviger als der Zustand der Staatsfinanzen, und ungleich nerviger als die Produktion einer umfassenden, weil gelungenen Steuerreform. “Wir verlieren einfach zu viel Zeit", sagt der Finanzminister der Republik Österreich und meint damit sich selbst. Er verliere zu viel Zeit. Zeit ist Schellings Verlust und dieser der Generator seines Genervtseins. Auch dies ein Befund, der in Österreich, zumindest im Zusammenhang mit Verhandlungen, selten erhoben wird. Wird doch bei Negotiationen stets Zeit in Geld umgewandelt. 

Im Lichte dieser Erkenntnis lässt sich Schellings Genervtsein durchaus anders lesen, als Erosion der Verhandlungsposition nämlich. Aus dem Umfeld der Sitzungen wurdem trotz vielfacher Dementis auch von anderen Teilnehmern Nervenzerrüttungen bekannt. Ein "Glücksritter" sei Yannis Varoufakis, heißt es, ein "Zocker" und "Amateur", er agiere "verantwortungslos" und "dilettantisch", er sei, hier kulminieren die Invektive, ein "Zeitverschwender". Es stellt sich die Frage, was anderes die Finanzminister der Eurozone mit ihrer Zeit anstellen möchten, als das, wofür sie engagiert wurden. 

Aus Österreichs Sicht hat die Sache auch etwas Erfreuliches. Nach langem Gären ist das Wutbürgertum auch in der Ministerriege angekommen. Speaking of Genervtsein - Hans Jörg Schelling ist jener Mann, der Österreich die Familie Putz geschenkt hat.  

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 2.5.2015.


2. Mai 2015 (0) Comments

Wien, der Faunenhain

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 18/2015

Liebe Frau Andrea,
 
ich bin neulich mit einer Gruppe anderer, ebenfalls stark verwienerter Provinzler im Treffpunkt Anzengruber gesessen. Es entspann sich eine Debatte über die Herkunft des Namens “Wien”. Kommt der jetzt von “Wein” oder nicht? Bitte um Ihre Expertenmeinung!

Wien, Weib und Gesang!
Dominik Halfahrter, Wieden, per Email


Lieber Dominik,

die Ortsnamenfrage beschäftigt die Forscher so lange wie nachhaltig. Oberflächlich betrachtet scheinen die Dinge einfach zu liegen. Das geschichtsträchtige Römerlager unter dem heutigen ersten Bezirk soll seine Spuren auch im Stadtnamen hinterlassen haben. Nach dieser Theorie soll der Name “Wien” von “Vindobona” kommen. Zur Erhärtung dieses Befundes wird der Lagername “Winn-Dóbbona” ausgesprochen. In der keltischen Sprache der vorrömischen Bewohner ergibt der Name allerdings erst in anderer Trennung Sinn. Demnach könnte “vindo bona” Weißer Berg bedeuten, von vindo (hell) und bona, bonn, ben (Berg). Mit “Weißer Berg” könnte das Steilufer der Donau oder die Keltensiedlung am heutigen Leopoldsberg bezeichnet worden sein, notabene letzter ursprünglich Kahlenberg hieß. Andere Etymologien wollen von einem Waldbach Vedunia wissen, dessen Name über die noch heute verwendeten slawische Bezeichnung für Wien, “Vídeň” zu Wieden wurde (oder umgekehrt). Nicht ohne Reiz ist jene Theorie, die den Namen des Wirkungsortes des spätrömischen Heiligen Severin - “Favianis” - auf Wien (und nicht auf Mautern) bezieht. Fa Fian hiesse in gälischer Sprache “unter dem Wein”, “am Wein(garten)”. Nicht untreffend für einen Weinort in bester Lage, wäre damit Fian (Wein) über Vian zu Wean und schliesslich Wien geworden. Aber auch der Name “Favianis” kann anders gedeutet werden. Als Waldheiligtum und sakraler Ort von Fruchtbarkeitsmysterien. Dessen Kultträger, die römischen “Faviani” seien ausgesucht kräftige und schöne Soldaten gewesen, die sich zur Zeit der dem Faun geweihten Feste in das Faunum (Fanum, Heiligtum) zurückzogen, wo sie bacchanalischen und venerischen Exzessen hudigten - in heutiger Deutung also einen Extremfasching feierten. Von Favianis, dem faunischen Ort im Wald sei der Name schliesslich auf die Stadt übergesprungen. Faun an der Donau also. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

27. April 2015 (0) Comments

Lehrerwünsche

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 25.4.2015.

Schon Wilhelm Busch flickte dem Berufsstand am Zeug. Der vierte Streich der Bubengeschichte von Max und Moritz gilt den Lehrern. Böse umreisst Busch die bittere Mission der Unterrichtenden: “Also lautet ein Beschluß: Dass der Mensch was lernen muss. (...) Dass dies mit Verstand geschah, war Herr Lehrer Lämpel da. Max und Moritz, diese beiden, mochten ihn darum nicht leiden...”

Während der ungeliebte Lämpel sich dem sonntäglichen Orgelspiel in der Kirche hingibt, machen sich die bösen Buben in seiner Stube zu schaffen. Hinterhältig und mit Plan füllen sie Pulver in des braven Profax’ Pfeife. Flugs fertig mit dem unbezahltem Musikdienst an der Gemeinschaft freut sich Lämpel auf ein Tässchen Tees am warmen Ofen. “Ach!...” spricht der Nachhausegekommene, zündet sich ein Pfeifchen an und lümmelt sich in den Lehnstuhl: “Die grösste Freud’ ist doch die Zufriedenheit.” Das Unheil nimmt seinen Lauf: “Rums, da geht die Pfeife los, Ofen, Tisch und Sorgensitz - alles fliegt in Pulverblitz.” Verkohlt liegt der hagere Wissensvermittler in der rauchenden Stube. Lebend, aber gezeichnet. Lust und Pfeife sind vergangen.

Die grausame Geschichte ist vor 150 Jahren entstanden und schildert doch ziemlich genau Leid und Los auch heutiger Pädagogen: Das Leben in finanzieller Bescheidenheit, die selbstausbeuterische Hingabe an unbezahlte Kulturvermittlung und das Ausgeliefertsein den Dämonen des Berufs: Empathielosen Schülern und der Allmacht ihrer Tücke.

Nun mögen Kritiker einwenden, dass es keinen Lehrer gäbe, der vorher nicht auch Schüler gewesen sei, dass schulisches Ungemach zumindest kein überraschendes sei. Dem entgegnen Betroffene, sie wären angetreten, dem Mechanismus dieser Erwartung entgegenzuwirken. Mit Enthusiamus, mit Ideen. Und mit einem Quentchen Naivität, wie Beobachter feststellen. An Lehrer Lämpel, dürfen wir räsumieren, ist alles sympathisch. Sein Durchdrungensein mit Mucke und Gucke, sein Optimismus, seine Hingabe an das Amt, ja doch auch: an die Gewinnausschüttungen des Hedonismus. Nur eines macht den Lämpel schwach: Das Ausgeliefertsein. Liefert Euch nicht aus, Lehrende, muss unsere Botschaft sein.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 25.4.2015.

25. April 2015 (0) Comments

Reitzendes Städteklein

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 17/2015

Liebe Frau Andrea,
 
als jahrelanger Leser des Falter, aber als Nichtwiener nur mangelhaft mit dem Wienerischen vertraut, erlaube ich mir hiermit, als jemand in dessen Schulzeit diese Sprache noch nicht Unterrichtsgegenstand war und Wien geographisch nur als in Bezirke mit vorgegebenen Postleitzahlen eingeteilte Bundeshaupstadt gelehrt wurde, Sie um Auskunft über den Begriff des "Grätzel" und dessen geographische Wien-Verteilung zu bitten.

Mit liberté, egalité und fraternité!
Herbert Knapp, St. Georgen am Längsee, per Email


Lieber Herbert,

wo liegen die Grätzel, jene ungenau begrenzbaren Stadträume, die in anderen großen deutschsprachigen Städten schon ganz anders heißen - in Berlin, Hamburg oder Hannover bekanntlicherwiese Kiez, in Köln Veedel. Eine spürbare Konjunktur dürfen wir momentan dem Karmeliter- und dem Volkertviertel im 2. und dem Servitenviertel im 9. Bezirk bescheiden, etwas ruhiger geht es im Freihaus- und Schleifmühlviertel im 4. Bezirk zu. Als saturiert gelten der Spittelberg und jene Gebiete im 7. Bezirk, die inzwischen als Boboville firmieren. Naschmarkt und Bermudadreieck befinden sich urbanistisch gesehen in Narkose. Der Name Grätzel, in den 70ern von Erhard Busek und seinen Bunten Vögeln ausgegraben, wird gerne vom mittelhochdeutschen ‘Gereiz’, verwandt mit dem Verb ‘reißen’, in der Bedeutung ‘Umkreis’ abgeleitet. Eine undeutliche Bestätigung dieses möglichen Ursprungs liefert die Bezeichnung “Gereut” für Wüstungen aus dem 14. Jahrhundert in den Gegenden um den Heumarkt und beim Stubentor. Grössere Wahrscheinlichkeit für die Herkunft des Begriffs ‘Grätzels’ hat aber eine andere Etymologie. Im Slawischen bezeichnet ‘grad’ Burg oder Stadt, allgemein eine eingefriedete Fläche. Verwandte Wörter sind unser Garten (lateinisch hortus), sowie der englische yard (Hof). Die Verkleinerungsform zu grad ist gradec, der befestigte Ansitz, Ort, die kleine Burg. Im slawisch-deutschsprachigen Übergangsraum führte das zu Formen wie Graz, Gratz, Grätz. Die Wiener Bezeichnung Grätzl, Grätzel, Gretzel ist nichts anderes die Verkleinerung dieser Verkleinerung - und damit das, was wo anders das Viertel ist, das Quartier, der Borgo, der Barrio, die Neighborhood. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

19. April 2015 (0) Comments

Frühlingserwachen

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 18.4.2015.

April, April, macht was er will!

Den schrillklirrenden Reim lernen wir in der Volksschule - noch vor der Komplettierung des Alphabets. Zwischen sieben mal sieben und sieben mal acht. Der Sinnspruch dient der Illustration der dialektischen Natur des Wechselmonats und versteht sich als Vorgriff auf dialektisches Denken überhaupt. Es könne schneien in einem April, ist die transportierte Botschaft, mal glutheiss drücken, mal blase lau der Frühlingswind, mal peitsche Regen, mal neble es kalt. Auf jeden Apriltag, der sich nicht an diese Regel halte, folge einer, der sie wieder aufstelle. Tage dauerten bisweilen auch nur einige Minuten lang. Am April sei das untypische typisch, das typische untypisch. Die Erkenntnis brennt sich ein: Etwas ist, wie es nicht ist. Oder gar: Etwas ist, weil es nicht ist.

In einem höheren Sinn werden solcherart schon früh zentrale Weichen gestellt - für die Fahrt in die Innenhöfe der Landesbefindlichkeit. Der April ist der Monat des Jahres mit dem höchsten Grad an Austrizität. Kein Monat ist so Österreich wie der April. Während andere Nationen groß sind oder klein, stolz oder bescheiden, bemüht sich Österreich stets um beides. Beziehungsweise bemüht es sich nicht. Die Kultur des stetigen Unstetigseins ist dem Land eingeschrieben, wie die Kapriole dem Aprilwetter. Kompromisse dienen der Kompromittierung, Ergebnisse folgen Ergebenheit, Ziele werden getroffen, in dem sie verfehlt werden. Es gilt der Handschlag und nicht die Unterschrift. Unmögliches geschieht sofort, Wahrscheinliches nie.

Auch dieser April ist voller Österreich. Das Rauchen wird radikal verboten, aber erst später. Rotgrün ist am Ende, macht aber weiter. Parlamentarische Untersuchungsausschüsse werden öffentlich, bleiben aber geheim. Nach dem Geheimnis seines Erfolgs befragt, bekennt der Superschneeheld, dass seine Schischuhe drei Nummern zu klein sind. Ohne Schmerz fühle er den Hang nicht. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 18.4.2015.

18. April 2015 (0) Comments

Geheimnisvolle Radiozahlen

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 16/2015

Liebe Frau Andrea,

Ende der 60er, Anfang der 70er, ich hatte eben ein funkelnagelneues Radio als Geschenk bekommen. Beim Spielen mit den vielen Kanälen entdeckte ich etwas sehr seltsames: Einen Kanal, wo in eintöniger Stimme, ununterbrochen und in deutscher Sprache Zahlen vorgelesen wurden. Eine Zeitlang habe ich mitgeschrieben, konnte aber keine Regelmäßigkeit feststellen. Noch heute bin ich neugierig, was das wohl war, können Sie helfen?
 
Herzliche Grüße aus dem 7. Bezirk,
Ingeborg Mayer, per Email

Liebe Ingeborg,

auch anderen Radiobenutzern dieser Zeit blieben die seltsamen Botschaften aus dem Äther nicht verborgen. Nächtelang kritzelten Teenager und Alleinstehende Zahlenreihen auf, um hinter das Geheimnis der Ziffernsalate zu kommen. Noch heute tauschen sich Interessierte in einschlägigen Internet-Foren über das Thema aus. Ihr Fokus ist indes nur mehr historischer Natur. Ist doch die grosse Zeit der Zahlensender vorbei. Ihre Blüte erlebten die kryptischen Kurzwellen-Radiosendungen während des kalten Krieges. In der Regel handelte es sich um individuelle Kurznachrichten an Agenten und Angehörige diplomatischer und militärischer Dienste. Für Spione hinter feindlichen Linien war es einfacher und unauffälliger, ein Kurzwellenradio mit sich zu führen, als hochtechnische Ausrüstung zu betreiben. In der Regel sendete ein Zahlensender zur vollen Stunde. Nach fünfminutiger Wiederholung einer Signation folgte eine Durchsage der Dienstnummern der angesprochenenen Agenten, jeweils gefolgt von einer Information, wieviele Zahlengruppen diesen zugeordnet waren. Chiffriert wurde in Fünfer-Zifferngruppen, die jeweils unmittelbar wiederholt wurden. Zum besseren Verständnis wurde in einem bestimmten Rhythmus gerappt, meist unter Betonung der dritten und fünften Ziffer. Die Ziffern selbst wurden ganz typisch ausgesprochen: Ains, zwo drai, vi-ärr, fün-nef, sechs, sie-ben, acht, noi-en, nuhl. Nach dem Notat wurde die Nachricht von den Agenten mit Hilfe eines individuellen Schlüsselbands dechiffriert. Eine typische Botschaft dieser Zeit etwa lautete: “29 - Brief 17.2 erhalten, Inhalt gut, weiter so. Gruss.” So war das. Kalter Krieg. Kühle Zahlen. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

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--> Deutschsprachige Zahlensendung, 1980

12. April 2015 (0) Comments

Large Hadron Collider

2015.04.11-Large-Hadron-Collider.jpg

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 11.4.2015.

Der grosse Teilchenbeschleuniger ist wieder angelaufen. Die Forschergemeinde lässt wieder Kollidieren und erwartet sich davon neue Erkenntnisse über das Grosse Unsichtbare in der Natur - die Dunkle Materie. Der unterirdische Ringtunnel hat die Ausmaße eines Kleinstaates und zieht Gelder an, wie es die grössten Steueroasen des Planeten nicht vermögen. Das gefällt nicht allen. Neid und Missgunst Sparwütiger und Halbgebildeter sind indes nicht die einzigen Widrigkeiten, mit denen die Nerds mit den Baustellenhelmen kämpfen. 

Statt sich mit neuer aber doppelthoher Energie dem Vermessen des Unermesslichen hinzugeben, rangen die Weissmäntel erstmal mit Problemen kleinerer Dimension. Kurzschlüssen. Ein solcher hatte die grösste Maschine des Planeten gleich zu Neustart lahmgelegt. Aber unverdrossen wie weiland Scotty, der Cheftechniker der Enterprise stocherten die Forscher im Eingemachten und fixten das elektrische Wehwechen, das letzte Woche das Anwerfen des Large Hadron Collider verzögert hatte. Das Metallfragment, das den Kurzschluss in einem der Magnete ausgelöst hatte, sei mit Elektromagie zum Schmelzen gebracht worden, wussten die Cernforscher zu berichten. Dabei leuchteten ihre Augen und ein leichtes Glühen brannte in ihren Ohren. 

Wie im Grossen, so auch im Kleinen. Leuchtende Augen und glühende Ohren kennen wir auch von den Betreibern der Österreichmaschine. Die Protagonisten sozialer Heimattreue machen Musik oder spucken Töne - ihre Gefolgschaft frönt alten Bildern unter neuer Firnis: Die Frau am Herd. Der Ausländer unter Kuratel. Der grosse Leichenbeschleuniger Heimat läuft rund wie ehedem, seine Techniker erzeugen Partikel ohne Unterlass. Die Gesinnungsgenossen erwarten sich neue Erkenntnisse über das Grosse Unsichtbare im Völkischen - die Dunkle Macht. Neid und Missgunst sind dabei nicht die einzigen Probleme, mit denen Sparwütige und Halbgebildete  kämpfen. Es sind die ständigen Kollisionen mit dem eigenen Unvermögen, die die Österreichmaschine erschüttern. Sind doch die einzigen Schlüsse, die das Heimatland zu ziehen vermag, Kurzschlüsse. 

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 11.4.2015.

11. April 2015 (0) Comments

Feuchtbiotop Rotenturmstraße

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 15/2015

Liebe Frau Andrea,

nach elendslanger Zeit bin ich mit alten Studienkollegen mal wieder im Bermudadreieck eingekehrt. Einer von uns wusste dunkel zu berichten, dass der Wienfluss mal durch die Rotenturmstraße geflossen sei. Man könne noch heute die Eintiefung sehen. Das kann aber nicht stimmen, oder? Bitte um hydrologische Aufklärung!

Vielen Dank und Bermudagrüsse,
Johannes Fröhlich, Karmeliterviertel, per Email


Lieber Johannes,

der harmlos plätscherde Wienfluss ist nicht nur Namensgeber der Stadt, sondern auch Urheber großer Teile der Wiener Topographie, kann er doch bei Unwettern zum reissenden Strom werden. Als Gebirgsbach, der große Teile des Wienerwalds entwässert, hat er sich tief in die Schotterterassen eingeschnitten, auf denen die Stadt sich ausgebreitet hat. Durch die Rotenturmstraße ist die Wien allerdings nie geflossen. Ihr Bett ist wesentlich breiter und tiefer gelegen, aber es verläuft immerhin parallel, ein paar hundert Meter weiter südöstlich. Zwar liesse die hohlwegartige Anmutung der Rotentumstrasse auf ein Bachbett schliessen, sehr wahrscheinlich geht deren Eintiefung aber mit ihrer Funktion als (vermutlich schon prähistorischem) Verkehrsweg einher: Ein Ast der Bernsteinstrasse überquerte genau hier die einst zahlreichen Donauarme. Ein Gewässer gab es dennoch in umittelbarer Nähe. Im Mittelalter (und vermutlich schon zu Zeiten des Römerlagers Vindobona) floss hier, vom Graben kommend, ein Gerinne, das Möring (Moric, Mörung) genannt wurde und als zentraler Abwasserkanal der Stadt genutzt wurde. Die Möring floss im Strassenzug parallel zur heutigen Rotenturmstrasse, im Graben des einstigen Römerlagers. Beim Lichtensteg führte, wie schon der Name andeutet, eine kleine Brücke über das Gerinne, auf der die Fleischhauer ihre Schlachtbänke betrieben. Im Zuge von Kramer- und Rotgasse (einst Kotgasse genannt), sowie des Rabensteigs (früher: “Auf der Möring”) mündete der Abwasserbach beim Roten Turm in den heute Donaukanal genannten Stadtarm der Donau. Mit Möring bezeichnete man generell ein städtisches Kanalgewässer, das Wort ist eng verwandt mit Moor, Morast und Mure, ja auch mit so entfernten und gewissermassen mondänen Ortsbezeichnungen wie den Sümpfen des Pariser Marais. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

7. April 2015 (0) Comments

Der Märtyrer

Für die Osterausgabe der Salzburger Nachrichten vom 4.4.2015.

Er steht da, nackt bis auf einen Lendenschurz. Das schweißgetränkte Haar fällt in dunklen Locken in seinen Nacken. Seine Arme sind mit festen Seilen nach hinten gebunden, auch an den Knöcheln ist der Mann an die ruinösen Reste einer römischen Marmorsäule gefesselt. Sein Blick geht nach oben, fragend, zweifelnd.

Als ich ein Volksschulkind war, sah ich Mantegnas Gemälde des heiligen Sebastian das erste Mal, in einem Kunstbuch meiner Eltern. Schon der Anblick einer Fesselung war befremdend, dazu der unverschämte, nur durch Leinenfetzen verhüllte Eindruck von Nacktheit.
 Ratlose Verstörung aber löste die zentrale Unübersehbarkeit des Bildes in meiner kleinen Kinderseele aus: Der Bleiche war gespickt mit Pfeilen. Lange, dünne Spieße, aus vielen Richtungen in den Körper des Mannes geschossen. Sie steckten in den Weichteilen, in Hüfte und Brust, durchbohrten die Beine an mehreren Stellen und wiesen in die vielen Richtungen, aus denen sie abgeschossen wurden.

Auch für den naiven, unbedarften Kinderblick war klar, das waren tödliche Wunden. Dass Pfeiltreffer das Leben ausbliesen, wussten Schulkinder des Televisiozäns aus den Sonntagnachmittags-Western. Wie Pfeile sich angriffen und wie man sie abschoss, hatten uns die Cowboy-und-Indianer-Spiele gelehrt. Das Bild des pfeilwunden Sebastian war in eine kindliche Gefahrenwelt eingebettet. Auch am Marterpfahl konnte man bald landen, angebunden mit Wäscheleinen, in Angst und Tränen getrieben, der Demütigung der Unfreiheit ausgesetzt, dem Hohn, dem Spott, dem Schmerz. Und der größten Pein, der Gleichzeitigkeit von Erwartetem und Unerwartetem. Würde, was immer auch passierte, schlimmer werden? Gab es Erlösung? Und worin bestand sie? Im Hilfeschreien? In der Agonie? In der Hingabe an die Peiniger?

Das Bild des pfeilgespickten Sebastian war unerträglich. Das Buch, in dem es sich verbarg, musste immer wieder geschlossen werden, dann zaghaft, voll Schaudern wieder aufgeschlagen, in der schleichendschleppenden Ahnung, ein unausgesprochenes Verbot zu übertreten. Unausgesprochen von mir selbst. Schau das Bild nicht an, sagte ich mir. Greif nicht nach dem Buch. Schlag es nicht auf. Nicht auf der Seite mit dem Bild. Schau es nicht an! Schau es nicht an! Und dann, in der Hingabe an die Angst: Schau es an, damit du es nicht mehr anschauen musst. Schau es an, damit das Anschauen die Erinnerung daran auslöscht. War das Schaudern anfangs nur episodenhaft zu ertragen, wurde aus dem Zwang bald Übung, aus dem Schrecken Kenntnis. Bald erging ich mich in Details, versuchte zu erfassen, welcher Pfeil wohl der erste gewesen sein mochte, welcher der zweite, welcher der dritte.

Hoffnung keimte auf, die Projektile mochten schmerzhaft gewesen sein, aber nicht tödlich. Was auch immer tödlich heißen mochte für ein Kind, das den Tod nur aus Erzählungen kannte. Vor allem aus einer. Der zentralen. Der Erzählung vom Tod des Gottessohns. Der Botschaft vom großen Schmerz.

Der heilige Sebastian war ein Märtyrer, beschied man mir auf Nachfrage. Und er war anders. Verletzlicher. Verletzter. Nackter. Christushafter. Kam er doch aus einem Zwischenreich der Heiligkeit. Seine Pose war nicht milde und wissend wie die Heiligen, die am Heiligenbildertischchen auflagen. Fromm blickende Ordensleute mit goldenen Scheiben hinterm Kopf. Sie war nicht pompös und kontrolliert wie die der reichen Orientalen aus dem Morgenland, der Heiligen Drei Könige, die auf Altarbildern glänzten und aus Krippenbildern lachten. Sie war nicht heroisch wie die des Erzengels Michael, des heiligen Ritters Georg oder des tapferen Feuerwehrsoldaten Florian. Sebastian war von anderer Sorte Heiligkeit. Sebastian verharrte in Opferpermanenz. War entrückt ins ewige Sterben. Darin lag und liegt die Kraft, mit der uns die Bilder seines Martyriums fesseln.

Was aber ist Martyrium? Die Märtyrer (und die Märtyrerinnen) entlehnen ihre Wörtlichkeit vom griechischen μάρτυς (mártys), Zeuge. In oberflächlicher Betrachtung gilt das Zeugnis der Märtyrer dem Geschehen, dem Martyrium und damit der eigenen Rolle als Objekt und Opfer. Die Märtyrer, die Gemarterten, sind besondere Opfer, sie sind den eigenen (in der Regel religiösen) Vorstellungen in Unausweichlichkeit und bis zum Äußersten verpflichtet. Das Äußerste ist der qualvolle, gottgeweihte Tod.

Bei genauerer Betrachtung ist der Märtyrer, die Märtyrerin der Zeuge, die Zeugin jener Ort, an dem sich Täter, Opfer, Zusehende und Bild-Betrachter begegnen. Das Bild stellt diese Beziehung her, ja, erzeugt sie erst. Das Bild macht die Betrachter des Bildes ebenfalls zu Zeugen. Der Blick auf das Opfer ist indes für Zusehende und Täter (und damit auch für die Betrachter) nur durch die Absicht und die Tat unterschieden. Betrachter können beide Rollen einnehmen, ja, werden in die Ambivalenz dieser Polarität unausweichlich gezwungen. In der Mechanik der Beziehungen des Bildes vom Märtyrer gibt es indes noch weitere Unsichtbare. Den Erzeuger des Bildes und den Besteller des Bildes. Ihre Legitimation erhalten sie vom scheinbar schwächsten Protagonisten: dem Betrachter des Bildes.

In letzter Konsequenz aber ist er, ist sie nicht nur Empathieverbündeter des Opfers, sondern Täter und Täterin. Dass die Tat nur um des Bildes Willen gesetzt wird, zeigen uns die Mordbanden des „Islamischen Staats“. Unausgesetzt und nahezu täglich.

Andrea Maria Dusl. Für die Osterausgabe der Salzburger Nachrichten vom 4.4.2015.

4. April 2015 (0) Comments

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