Soviet Hero

Comandantina Dusilova

 by Andrea Maria Dusl

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Der Mythos vom 99-Cent-Ende

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 10/2015

Liebe Frau Andrea,

hat sich irgendwer schon philosophisch, psychologisch, wissenschaftlich mit dem Thema der 99-Cent-Preise auseinandergesetzt hat? Gibt es dazu schon Protestbewegungen, Publikationen und so in Richtung faire Preisgestaltung oder Aufrufe zu geraden Preisen?

Mit freundlichen Grüßen, per weitergeleiteter Email,
Gerhard Reibling

Lieber Gerhard,

wir alle kennen die Situation. Wir stehen im Supermarkt, haben einen Produkt auf unserer Einkaufsliste gefunden. 2,99 sagt das Preisschild. Nicht viel, aber doch etwas billiger als 3,00, der (gedachte) runde Preis. Wir nehmen das Produkt. Warum eigentlich? Alles Psychologie, sagen die Experten. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass die Umsätze steigen, wenn die Preise auf die nächstkleinere 99er-Endung abgerundet werden. So erzählen es die verschiedenen Glaubensschulen der ökonomischen Theologie. Tatsächlich kommt die Wissenschaft zu ganz anderen Ergebnissen. Studien haben gezeigt, dass runde Preise weder den Umsatz über alles senken, noch, dass dann weniger Artikel verkauft werden. Ganz im Gegenteil, es kommt sogar zu einem leichten Anstieg beider Parameter. 99-Cent-Preise und ihr positiver Impakt auf die Wirtschaft gilt mittlerweile als selbsterfüllende Prophezeiung und als ökonomischer Unsinn. Wie viele populäre Wirtschafts-Märchen kommt auch der Mythos vom gewinnstiftenden 99er-Preis-Ende aus dem Land der Tellerwäscher und der Millardäre. Und da er noch nicht gestorben ist, wird er heute noch erzählt. Proteste gibt es keine. Und wenn, verhallen sie in den Gängen der Supermärkte. Wären damit runde Preise das Ideal? Keineswegs. Hat doch die Wissenschaft noch ganz andere Mechanismen zwischen Preis und Käufer entdeckt. So vertrauen wir, weil wir runde Preise zurecht als “gemacht” und willkürlich bewerten, eher unrunden Preisen ohne die Zahl neun. Einem Preis wie 512.- also eher, als der runden Summe 500. Dabei spielt, es so die Wissenschaft, keine Rolle, dass diese Preise ebenfalls willkürlich bestimmte sind. Und mehr noch: Der Trick mit den unrunden Preisen funktioniert bei uns sogar, wenn wir den psychologischen Menchanismus kennen. Auch dagegen haben sich übrigens noch keine Bürgerbewegungen formiert. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

1. März 2015 (0) Comments

Griechenlandkunde

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 28.2.2015.

Eines der griechischen Nationalsymbole ist “I Galanolefki" (die Himmelblau-Weiße), auch "I Kianolefki" (die Azur-Weiße) genannt. Dem Status der Fahne entspricht seine poetisch-heroische Aufladung. Neben dem orthodox-christlichen Kreuzsymbol zeigt das Banner neun horizontale Streifen, die nach populärer Deutung den neun Silben der Phrase "Eleftheria i thanatos” (Freiheit oder Tod) entspricht. Der markige Spruch gilt als Motto Griechenlands, entstanden während des Griechischen Unabhängigkeitskrieges und eingängiges Mem im Kampfes gegen Tyrannei und Unterdrückung. In simplerer Deutung sollen die Streifen der Flagge exakt den Buchstaben des Wortes Ελευθερία (Freiheit) entsprechen. Ein anderer Mythos schreibt den neun Streifen die neun Musen der Antike ein. Demnach flattern bei gutem Wind stets die Töchter von Göttervater Zeus und Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung mit - Klio (die Muse der Geschichtsschreibung), Melpomene (Tragödie), Terpsichore (Tanz), Thalia (Komödie), Euterpe (Flötenspiel und Lyrik), Erato (Liebesdichtung), Urania (Astronomie), Polyhymnia (Hymnengesang) und Kalliope (epische Dichtkunst). Ob Griechenlandbetreuer Wolfgang Schäuble, der große Kontrahent von Transzendentalökonom Yanis Varoufakis, je mit auch nur einer der Musen in Kontakt gekommen ist, ist nicht bekannt. Dennoch ist das Süddeutsche fester Bestandteil der griechischen Flagge. Zwar deuten moderne Interpreten das Hellblau und Weiß des Hellenenwimpels als jenes von Wolken und Himmel (oder dem der ägäischen Häuserfärbelung), mit größerer Wahrscheinlichkeit kommt das griechische Fahnenblauweiss aber von einem gebürtigen Salzburger. Datiert die griechische Nationalflagge doch aus der Regentschaft des ersten Königs von Griechenland, Otto. Óthon, Vasiléfs tis Elládos (1815 auf Schloß Mirabell geboren), war ein Wittelsbacher. Für die Fahnenkundler ist das Hellblau-Weiß der griechischen Flagge in Herkunft und Farbton das der Bayerischen Landesfarben. Es ist jenes Himmelblau, das die Isar zeigt, wenn sie an einem Hochsommermorgen über das Weiß ihrer Sandbänke rauscht. Ελευθερία!

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 28.2.2015.

28. Februar 2015 (0) Comments

Podiumsdiskussion ::: Seestadt Aspern
Do. 26. Februar 2015, 18:30h

Podiumsdiskussion
"Lebensqualität und neue Werte“
Donnerstag,
26. 2. 2015
18:30h
Club Seestadt
Aspern

Es diskutieren:
Anna Popelka, PPAG architects
Andrea Maria Dusl, Illustratorin, Kolumnistin, Filmemacherin
David Bogner, Chefredakteur Vice Magazin


Im Anschluss: Kulinarischer Ausklang mit musikalischer Begleitung
Moderation: Raimund Deininger, SALoTTo Vienna

18:00h Open Doors
18:30h Begrüßung + Projektupdate: Claudia Nutz, Vorstand Wien 3420 Aspern Development AG
18:45h Podiumsdiskussion Lebensqualität + Neue Werte mit

Location ist die 'FABRIK' auf der ehemaligen Rollbahn – aktuell nicht zu übersehen, da das davor positionierte 'Flederhaus' multimedial bespielt wird. --> Endstation U2 Seestadt --> Ausgang Seestadtstraße und von dort direkt auf die Rollbahn und weiter zum Flederhaus. Dahinter befindet sich die Veranstaltungshalle 'FABRIK', in der seit Jänner 'Salotto.Vienna' beheimatet ist.

Anfahrtsplan:
http://www.aspern-seestadt.at/resources/files/2014/11/12/3450/anfahrtsplan-dez-2014.pdff

26. Februar 2015 (0) Comments

Immer wieder “Immer wieder”

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 09/2015

Liebe Frau Andrea,

sooft ein sportliches Großereignis mit österreichischer Beteiligung ansteht, hört man in den Zuschauerrängen die Gesänge "Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich". Da Siege österreichischer Sportler außer im Winter nicht so zahlreich sind, ist die Anmaßung "immer wieder, immer wieder" etwas seltsam. Woher stammt dieser Gesang?

Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Schauer, per Email

Lieber Stefan,

jenseits der Diskussion über eine töchterreiche oder gabalierende Text-Auslegung der Österreichischen Bundeshymne gibt es Einvernehmen darüber, dass die Nation zwischen Bodensee und Langer Lacke genau drei Lieder fehlerfrei intonieren kann. Nummer eins ist die Geheimhymne Schnitzellands, der textfreie Schunkelwalzer “An der schönen blauen Donau”, im Winter 1866/67 von Johann Strauss Sohn komponiert. Dicht folgt der weltberühmten Silvester-Marseillaise das sentimentalen Rührstück “I Am From Austria”, 1989 von Nationalblondl Rainhard Fendrich in die Welt gesetzt. Der uns hier und heute interessierende Imma-Wie-Da-Ö-Sta-Rech-Hymnus hält indes Rätsel bereit. So einfach und massentauglich Melodie und Text des Schlachtgesangs erscheinen, so schwer sind seine Autoren zu fassen. Der Fußballschlachtruf muß zumindest knapp vor 1978 entstanden sein, taucht er doch auf auf dem Fußball-WM-Sampler “Immer wieder Österreich” auf, der in prophetischer Weise rechtzeitig vor dem Nationalereignis Cordoba mit dem “Stadionchor” eingesungen und auf Platte gepresst wurde. Als Autoren firmieren der langjährige ORF-Big-Band-Leader Richard Oesterreicher (fälschlich oft Österreicher genannt) und ein geheimnisvoller Emanuel Morel. Reizvoll erscheint allerdings eine andere Theorie zur Urheberschaft des Stadionliedes. Demnach stammt der patriotische Kickermarsch von der Wolfgang-Lindner-Band, arrangiert und komponiert vom Duo Wolfgang Lind und Peter Ciri. Hinter den Pseudonymen verbergen sich Musikantenstadl-Bandleader Wolfgang Lindner (Senior) und der Kapellmeister und Tanzorchestermusiker Dipl.-Ing. Peter Hrncirik (Senior). Eine Lösung der Frage muss heute offen bleiben. Für Oesterreicher spricht das gewaltige Oevre, für Lind und Ciri ein anderer Hit von österreichischer Weltgeltung: Ihr 1971 so eingängig wie simples komponiertes “Ja, mir san min Radl da”. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

21. Februar 2015 (0) Comments

Fifty Shades of Grey

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 21.2.2015.

Der Roman, mit dessen Titel wir hier spielen, erzählt bekanntlicher- (und unbekanntlicherweise) die Geschichte einer jungen Studentin und eines kaum älteren, aber milliardenschweren Unternehmers. Die Verbindung der beiden ist vom Magnetismus sexueller Praktiken bestimmt, die aus dem sadomasochistischen Formenkreis von Dominanz und Submission stammen. Der Erfolg des schlicht geschriebenen und schlecht recherchierten Erotikziegels hat nicht nur die Literaturkritik auf den Plan gerufen, sondern auch die Soziologie. So legte Eva Illouz, Professorin an der Hebräischen Universität in Jerusalem 2013 einen Essayband über E.L. James' Grey-Bestsellertrilogie vor. In einem Interview mit der deutschen Tageszeitung taz resümierte Illouz ihre Anlalysen. “Shades of Grey” spiegle vieles davon, was in modernen Beziehungen Realität sei. Ein wiederkehrendes Thema sei dabei jenes der Unsicherheiten. Für diese halte das Buch eine Formel symbolischer Problemlösung bereit: Sadomasochismus. Dieser sei, so Illouz, ein Weg ist, von Unsicherheit geprägte Identitäten zu restabilisieren. Die philosophische Frage, die dabei gestellt werden könne, erwarte die Antwort darauf, inwieweit ein Partner seinen Willen zugunsten des Willens des anderen Partners abzuändern bereit sei - weil der eine den anderen liebe. Illouz bezieht sich auf die im Roman beschriebenen Protagonisten. Ein junges Ding aus der Welt der Sehnsüchte und der Sprachkraft. Und einen saturierten Sadisten aus der Welt der Hyperkapitalisierung. Der essayistische Befund der renommierten Soziologieprofessorin reicht weiter. Wir dürfen ihn an eine republikkonstituierende Beziehung anlegen. Jene zwischen einer jungen urbanen Liebesbedürftigen und einem altklugen Provinzprinzen. Gemeint sind die österreichische Sozialdemokratie und der Bund der Bünde, die Volkspartei. In masochistischer Manier wirft sich die Unsichere dem sadistischen Grantscherm in die Arme. In der Hoffnung auf eine Zukunft stabilisiert sie dabei eine einzige Wahrscheinlichkeit. Die, keine Zukunft zu haben.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 21.2.2015.

21. Februar 2015 (0) Comments

Der Schiheld und sein Balkon

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 08/2015

Liebe Frau Andrea,

in kleiner Runde haben wir uns die Opernball-Direktübertragung angeschaut. Beim Abfilmen der Festlogen stach uns Karl Schranz ins Auge. Der stand doch einst mit Bruno Kreisky am Heldenplatzbalkon. Ist das eigentlich schon aufgearbeitet?

Danke für die Aufklärung!
Lydia Patat, Landstraße, per Email

Liebe Lydia,

die Autorin dieser Kolumne hat die Begebenheit in der Monographie “Die österreichische Oberfläche” gewürdigt. Das Balkonereignis, das Sie ansprechen, fand allerdings am Ballhausplatz statt, nicht am Heldenplatz. Wie war es dazu gekommen? Nach dem Urteil des Präsidenten des IOC, Avery Brundage, Schranz wegen eines Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen von den Olympischen Spielen in Sapporo, Japan, nach Hause zu schicken und damit einer sicheren Goldmedaille zu berauben, hatte sich Österreich in den Ausnahmezustand gefiebert. Karl Schranz war in dieser Zeit der am meisten bewunderte Mann Österreichs. Zehntausende Leserbriefe wurden geschrieben, vier Schallplatten mit Protestliedern kamen heraus, darunter "Der Karli soll lebn!" von Georg Danzer und André Heller. Im Dienstwagen von Unterrichtsminister Fred Sinowatz fuhr Schranz schliesslich am 8. Februar 1972 in einem Triumphzug vom Flughafen Schwechat Richtung Innenstadt, hunderte Autofahrer schlossen sich dem Konvoi an, der zeitweise mehrere Kilometer lang gewesen sein soll. Karl Schranz stand aufrecht im Schiebedach seines Wagens. In der Wetterlage spiegelte sich die Gemütslage der Nation wieder: Es hatte zwei Grad und es nieselte. Gegen 14 Uhr erreichte die Wagenkolonne den Ballhausplatz. Im Bundeskanzleramt wurde Schranz von Kanzler Kreisky erwartet. Der Regierungschef ermunterte den den St. Antoner Skifahrerhelden, sich auf dem Ballhausplatzbalkon der jubelnden Menge zu zeigen, weigerte sich aber anfangs, ihn dabei zu begleiten. Erst als Schranz zum dritten Mal auf den Balkon getreten war, gelang es dem Pistenidol, Kreisky zu überreden, gemeinsam die Ovationen mit "Karli"- und dann auch "Kreisky"-Rufen entgegenzunehmen. Schifahrer und Kanzler profitierten wechselseitig vom Nimbus des jeweilig anderen. Diesem Strahlen sollte später auch Vladimir Putin erliegen. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

15. Februar 2015 (0) Comments

Das Stockerl

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 14.2.2015.

26 Tage hat sich der österreichische Schriftsteller Jura Soyfer in Freiheit befunden. Im Zuge einer Amnestie für politische Gefangene ist er entlassen worden. In sicherer Erwartung einer abermaligen Verhaftung nach dem Anschluß Österreichs an Hitlerdeutschland beschließt er, das Land zu verlassen. In dem schlichten, aber existentiellen Vorhaben, sein Leben zu retten.

Soyfer hat keinen gültigen Pass, an eine “normale” Ausreise ist nicht mehr zu denken. Mit seinem Freund Hugo Ebner fährt er am 13. Februar 1938, einen Tag nach dem Anschluß, in einem überfüllten Schweizer D-Zug von Wien nach Bludenz und von dort mit der Montafontal-Bahn nach Schruns. Die beiden steigen schliesslich mit Schiern zum tiefverschneiten Luftkurort Gargellen auf. Unter dem Vorwand, eine Schitour zu unternehmen, wollen Soyfer und Ebner über das Schlappiner Joch in die rettende Schweiz flüchten. Am Nachmittag, schon hinter Gargellen, werden sie angehalten und perlustriert. (Die Gendarmeriepatrouille ist vermutlich ebenfalls auf Schiern unterwegs). In Ebners Rucksack finden die Beamten eine Sardinenbüchse, die in eine Gewerkschafts-Zeitung eingewickelt ist. Der jüngste der drei Gendarmen, ein glühender Nazi, will sich schon in den allerersten Tagen der ‘Ostmark’ seine Sporen verdienen. Daß die beiden Angehaltenen etwas Gedrucktes mit sich führen, ist Grund genug zur Verhaftung. Soyfer und Ebner in der Folge ins KZ Dachau und später ins KZ Buchenwald. Soyfer stirbt dort 1939 an Typhus, Ebner kommt frei und kann nach Großbritannien emigrieren.

In der Geschichte dieser Verhaftung vermählen sich Groteske und Tragödie der österreichischen Königsdiziplin. Ausgerechnet eine Schitour dient der Camouflage einer Flucht. Das Corpus Delicti ist eine Zeitung. Ein Nazi-Gendarm auf Schiern sichert sich einen “Stockerlplatz” als Vorarlbergs frühester Verhafter. Die Verhafteten sind die besseren Schifahrer, aber sie haben den schlechteren Startplatz. Ein sozialistischer Rechtsanwalt und ein jüdischer Literat unterliegen gegen das Team mit dem Heimatvorteil.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 14.2.2015.

14. Februar 2015 (0) Comments

Lager und Mauer, Mütze und Trauer

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 07/2015

Liebe Frau Andrea,

im letzten Falter sind unter "JENSEITS" die Skimützen (oder "Schimützen"?) von Bundespräsident und Bundeskanzler beim Gedenken der vor 70 Jahren erfolgten Befreiung von Auschwitz als die Würde störend empfunden worden. Mich würde interessieren, wie man am besten "mit Würde" gedenkt - ist dies eine Frage der inneren Einstellung oder der äußeren Erscheinung?

Mit besten Grüßen,
Peter Belada, Ottakring, per Email

Lieber Peter,

zur Etymologie der inkriminierten Kopfbedeckungen darf ich Wortkundliches von den Brettern berichten, die in Österreich die Welt bedeuten. Das Wort Schi wurde im 19. Jahrhundert dem norwegischen Ski entlehnt, das vom altnordischen skíð abstammt und mit den deutschen Wörtern Scheit und Schindel urverwandt ist. Die skandinavische Aussprache des Wortes Ski erzeugt eine Silbe, die ähnlich, wenn auch nicht gleich wie das deutsche “Schi” klingt. Schwieriger erachten wir die Klärung der Frage nach der Würde einer Schimütze. Die Kollegen haben in Falter 6/15, pag. 21 insoferne kein klares Urteil gefällt, als sie den Befund der mützentragenden österreichischen Staatsrepräsentanten als “jenseits” taxierten. Die Sache ist tatsächlich komplex, verweist doch die Garderobe von BP Fischer und BK Faymann auf ein Dilemma. Die Schwarze Wand (oder Todeswand), ein Nachbau jenes Kugelfangs aus schwarzen Isolierplatten, der sich an der Steinmauer im Hof zwischen Block 10 und 11 des Stammlagers des KZ Auschwitz befand, ist ein historischer Ort und eine Weihestätte. Das Bedecken des Hauptes dort darf als Geste des Respekts vor Opfern und Angehörigen verstanden werden. Das Tragen beitkrempiger Herrenhüte mochten sich Fischer und Fayman wegen der Assoziation zu den Hüten jüdischer Orthodoxer verbeten haben. Griffen sie deshalb zur Mütze? Mit der Trauerfarbe Schwarz wollte man immerhin sichergehen, jeden Gedanken an Sporthauben ausschliessen zu können. Ein Irrtum. In moralischer Hinsicht dürfen beiden Protagonisten dennoch ehrenvolle Absichten und redliche Haltung attestiert werden. Papst Benedikt Benedikt XVI. trug bei seinem Besuch der Schwarzen Wand im Mai 2006 die blütenweisse Papstsoutane. Dazu rostrote Slippers aus dem Hause Gammarelli. Die Aufregung der Würdewächter hielt sich in Grenzen. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

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Ad Beitrag Falter VII/2015 - Skimützen bei Gedenkfeier

Kommentar:

Hatte mich auch über die sportlichen Skimützen gewundert - meines Erachtens wäre
ein grauer Homburg mit schwarzem Hutband angemessen gewesen. In Wien auf der
Mariahilfer Straße bei Mauerer erhältlich und auf deren Homepage auch darauf
verwiesen wird, dass Kreisky ihm bevorzugt getragen hat.

http://www.hut-online.at/saks-furfelt-stetson.html

MfG
O. Urban

http://urgeschichte.univie.ac.at/otto-urban/

8. Februar 2015 (0) Comments

Die großen Fragen des Landes

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 7.2.2015.

Der Opernball ist die Antwort in jenem Kurzdiskurs, zu dem Österreich die Frage ist. Wer das Land verstehen will, muß dieses Fest verstehen. Wenn dies denn ginge. Führt doch jede intensive Beschäftgung mit dem Opernball in die Labyrinthe der österreichischen Seele. An ein Entkommen aus ihnen, an Kartographierung oder Enträtselung derselben ist nicht zu denken. Die Hochglanzveranstaltung ist an das katholische Kalendarium gebunden, sie findet üblicherweise am letzten Donnerstag vor dem Aschermittwoch statt. Entgegen landläufiger Mythologisierung ist der Opernball keine urwienerische Erfindung und noch weniger eine von aristokratischer Eleganz. Sein gerne verschwiegenes Vorbild waren die berüchtgten Pariser Opernbälle. Der Kaiser, in dessen Singspielhaus der Abend am 11. Dezember 1877 erstmals gegeben wurde, war nicht amüsiert und verbat aus Angst vor Pariser Tumultzuständen das Tanzen. Der erste Opernball hieß daher Hofopern-Soirée. Spätere Veranstaltungen mit stärker ausgeprägtem Ballcharakter nannten sich Opernredoute. Es war eine feine, aber halbseidene Fete. Die höchsten Kreise verkehrten ohnedies auf den hocharistokratisch exklusiven Ahnenbällen in der Mehlgrube (auf dem Areal des heutigen Hotel Ambassador). Der Opernball war also ab origine ein Treffpunkt der zweiten und dritten Gesellschaft. Singendes Hofpersonal, Wirtschaftstreibende, Kleingeldsäcke und Lebedamen. Uniformiert war und ist man damenseitig mit leichter und mittelschwerer Ballrobe, falschem Nerz und einfacher Perlenkette, der Begleiter betrat und betritt nach Tunlichkeit im eigenen, in der Regel aber im Leihfrack die Feststiege. Der Staatssender ORF trägt dem Rechnung und Rache und überträgt das Tanzereignis wie ein Schirennen. Heroisiert wird der nationale Mummenschanz mit dem Hinweis auf den Mythos, dass hier (und nur hier) die grossen Geschäfte des Landes gemacht würden. Schamlos zeigt und kommentiert das staatliche Fernsehen die Ballgäste schon im Zustand des Emporkommens. Auf der Feststiege. Kein Bild könnte eine Gesellschaft schlechter Haltung, falscher Manieren, aber guter Hoffnung besser beschreiben, als jenes. Alles Walzer. Alles Österreich.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 7.2.2015.

7. Februar 2015 (0) Comments

Das Schweigen der Nebentische

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU CHARLIE' in Falter 06/2015

Liebe Frau Andrea,

meine Freunde und Freundinnen - soviel Zeit bzw. Platz muss sein, gehen einmal pro Woche ins Kino und diskutieren den gesehenen Flm im Wirtshaus in voller Lautstärke. Von Nachbartischen bekamen wir zu hören, ein sehr interessanter Abend sei das gewesen. Auf eigene Konversation habe man verzichtet. Jetzt treten wir bereits  in verschiedenen Caféhäusern in Graz  "ungebeten"  aber "gratis" auf . Zuhören okay - Mitdiskutieren unerwünscht! Können Sie uns mitteilen, welche Lokalitäten in Wien für unseren "Cinema Talk" in Frage kämen?

UAWG - Danke & Liebe Grüße
Dietmar Werner, Graz/Wien, per Email

Lieber Dietmar,

zunächst darf ich mich freuen, dass Sie und Ihr Kreis ins Kino gehen. Als Filmemacherin ist dieses Bekenntnis zu meinem Kernmedium willkommener Anlass für Freude und cinematographische Zuversicht. Auch Ihre Reflexionen auf das Gesehene, Sie beschreiben diese sehr eindrucksvoll als eine Diskussion in “voller Lautstärke”, begrüsse ich leidenschaftlich. Kommen wir zu Ihrer Frage. Der Zielrichtung derseben darf ich entnehmen, dass Sie und ihr Diskursrund mit den Gegebenheiten Wienerischer Kinokultur, ja mit den Rahmenbedingungen des Sprechens in Wiener Lokalen nicht vertraut sind. Ich darf helfen. Wiener gehen in Kinos, auch in Freundesgruppen. Sie gehen auch nachher gemeinsam wohin. Und ja, sie sprechen auch über den gerade gesehenen Film. Miteinander. Hier enden jegliche Ähnlichkeiten mit dem von Ihnen in Grazer Kaschemmen etablierten “Cinema-Talk”. Mir fiele kein einziges Lokal in Wien ein (und ich kenne derer zu viele), in dem irgendjemand an den Gesprächen des Nebentisches interessiert wäre. In der Regel ist man nicht einmal an den Gesprächen des eigenen Tisches interessiert. Ich mag mich irren, aber in doch gut fünf Jahrzehnten Wienerischer Lokalbegehungen ist mir kein einziger Vorfall (selbst erlebt oder kolportiert) in Erinnerung, der Ihrer Grazer Idee des “Unterhaltenden Tisches” nahekäme. Falls es Ähnliches je gab, waren es Irre und betrunkenen Prominente, die für Sekunden einen Nachbartisch attrahieren konnten. Ich muss Ihnen, so sie nicht gegen Demütigungen geimpft sind, von Ihrem Vorhaben abraten. Erwähnen Sie in Ihren Grazer Darbietungen jedoch, wie erfolgreich Sie in Wien sind. Weltberühmt geradezu. Man wird diese Lüge lieben! www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

1. Februar 2015 (0) Comments

Was Österreich zusammenhält

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31.1.2015.

Was ist das eigentlich, Österreich? Die Geschichtsbücher geben darüber nur ausweichend Auskunft. Die Schulbücher folgen ihnen in ihren Diagnosen und Bewertungen, blenden aber die unangenehmen Aspekte im Ablauf der Landesgeschichte weitgehend aus. Unter Berücksichtigung aller hierorts etablierten weltanschaulichen Tabus ist Österreich jenes Territorium, das sich andere Nationen nach dem Zerfall der Habsburger-Monarchie nicht erfolgreich einverleiben konnten. Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau hat es im September 1919 auf den Punkt gebracht. Bei den Friedensverhandlungen im Schloss Saint-Germain-en-Laye konstatierte er: “L'Autriche, c'est ce qui reste“, Österreich sei das, was übrig bleibt. Österreich ist also keine Summe, sondern eine Differenz. Die österreichische Seele hat dieser Rechnung mit Indifferenz geantwortet. Restseelenpartikel verblieben in früheren Standorten, in Triest, Prag, Budapest, Lemberg und wie die Sehnsuchtsorte alle heissen. Habsburgerorte. Allesamt Ex-Besitz einer Familie von Schweizer Raffkes.

Der Befund ist vielfach thematisiert worden, die Literatur dazu füllt Bibliotheken. Zu Erkenntnis hat dies nur in folkloristischer Hinsicht geführt, denn Lesen wird (im Gegensatz zum Schifahren) in Österreich nicht als Kernkompetenz erfahren. Echos auf ein ehemals grösseres Österreich gibt es in vielen Bereichen des Alltags. Als Beispiel ungebrochener Kontinuitäten sei der Wurstsektor erwähnt, wo Krainer, Debreziner und Krakauer als einheimische Proteinlieferanten begriffen werden.

Man darf es der österreichischen Verwaltung also nur als Fahrlässigkeit auslegen, dass sie in der Frage der erfolgreichen Integration von Nichtösterreichern groteske Ideen gebiert. Sprachkurse etwa (also ob das Teile von Kärnten und der Großteil Vorarlbergs nicht dringender benötigten). Das Büffeln von Daten der Landesgeschichte. Das Absingen heimischen Hymnenguts. Man wird Österreich-Integration nur mit einer Methode gewährleisten können. Alles abzuziehen, was wo anders Gang ist und Gäbe. Österreicher sei, darauf wird es hinauslaufen, was danach übrig bleibt.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31.1.2015.

31. Januar 2015 (0) Comments

Das digitale Blatt

Andrea Maria Dusl über ihre Beziehung zum Online-Lachs (derstandard.at). Erschienen in der 20-Jahre-Jubiläumsasugabe von DER STANDARD am 31.1.2015: http://derstandard.at/2000010965841/Andrea-Dusl-Im-Netz-mit-dem-Online-Lachs

Am Anfang war das Wort. Das Wort stand überall. Es knisterte und es knitterte, wenn man das Wort zu sich nahm. Denn das Wort stand stets in einem Blatt. In der Zeitung, wie das hieß. Je nach gesellschaftspolitischem Gemüt und finanzieller Disposition waren das kolumnistisch keifende Kleinformate oder feuilletonfette Totholzzelte aus dem Ausland. Dazwischen gab es nicht viel, dies aber farblich abgesetzt – die Financial Times, die Gazzetta dello Sport und irgendwann den Standard. Zumindest in den Anfangsjahren wurde er den Geruch nicht los, ein pardodistisches Unterfangen zu sein, das sich mit dem Mäntelchen der Ernsthaftigkeit gewandete.

Tatsächlich lagen die Dinge anders, der Standard war Manifestation eines ernsten, wenn auch anfänglich noch dünnen Bemühens um Hochleistungspublizistik, das sich mit dem Parodistischen nur zu immunisieren trachtete. Wie auch immer, es war nichts Anrüchiges dabei, den Standard zu lesen, ganz im Gegenteil. Der Standard war ein bürgerliches Blatt für Nichtbürgerliche. Man durfte es als Konsequenz seiner ironischen Intelligenz begreifen, dass es das lachsfarbene Blatt sehr früh auch im Netz zu lesen gab. In jenem Netz, von dem jetzt alle sprachen, dem grenzenlosen Rhizom, dem Labyrinth der Millionen Ariadnefäden.

Das Internet hatte alle Anzeichen von Schmuddeligkeit, Irre trafen Irregeleitete, Nerds nervten Geeks und überall roch es nach Porno. Als Kind aus der Leopoldstadt war mir das Setting vertraut. Das Internet war eine weltumspannende Spielhalle, ein internationaler Prater. Ästhetisch bedarft, sprachlich bescheiden. Eine glitzernde Halbwelt. Zeitvergeudung nannten sie die einen, Weltrevolution die anderen.

Als ich über den Online-Standard stolperte, war ich schon sozialisiert im digitalen Dorf. Hatte gezockt, gesaugt und gestreamt, hatte Warez gedealt und nach Serials getaucht. Auf Geocities hatte ich mir ein kleines Seitchen eingerichtet, in der hierorts legendären Blackbox die Möglichkeiten (und Unmöglichkeiten) sozialen Netzwerkens geübt.

Ich kann den Tag nicht genau benennen, er liegt in einem Dunkel, das die Erinnerung nur vage und mit Vorsicht betreten will. Aber es gab einen Tag, den Tag Eins und ab dem, das kann ich mit Sicherheit sagen, gab es keinen weiteren Tag, an dem ich nicht den Online-Standard angesurft hätte. (Wie antiquiert das heute schon klingt: angesurft). Die repetetive Lese-Einkehr war keine große Leistung, denn der Standard war weit und breit die einzige Zeitung, die im Netz zu finden war. “Weit und breit” sind bedeutende Werte in einem Medium, das als endloses Geflecht verstanden werden darf.

Ich will versuchen, in die dunklen Anfänge meiner Beziehung zum Online-Standard hinabzusteigen. Ich darf von einer Beziehung sprechen, weil ich irgendwann auch Mietfeder des Standard und damit gewissermassen auch des Online-Standards wurde. In meiner Wahrnehmung waren Blatt und Website stets ein Kontinuum - und sie sind es für mich heute noch. Konzernmechanisch sind die Dinge ja komplexer.

Wie war das also, Online-Standard, als wir noch jung waren? Was war das für eine Welt? Was bewegte mich, was bewegte meine Freundinnen und Freunde? In einer Welt der Recherche und der Quellengenauigkeit liesse sich der genaue Zeitpunkt meines ersten Ansurfens ja festmachen. Wüsste man meine IP-Adressen von damals noch, könnte man mein Standard-Surfverhalten in diesen Tagen, Monaten, Jahren minutiös rekonstruieren. Könnte benennen, was mich interessierte, wie lang ich in welchen Artikeln verbrachte, ja mit wem ich das Lesen bestimmter Seiten innerhalb des Standard-Universums teilte. Das war immer auch Teil unserer Beziehung, Online-Standard. Bei aller Liebe. Du versorgtest mich nicht nur mit Lektüre, sondern führtest Buch über meine Besuche bei Dir. Easypeasy. Ich hatte doch damals selber schon eine Website, die ich neugierig auswertete. Wir hatten also auch eine technische Beziehung, von der ich wusste, dass Du sie zu Geld machtest. Um mich dem Phantasma auszuliefern, das wäre alles gratis. Teil einer postmodernen Allmende.

Wie genau Du das Geld mit meinem Konsum verdientest (und noch immer verdienst), ist auch heute nur wenigen bekannt. Damals durfte man es noch für so eine Art “Service” halten. Ich war täglich da, Online-Standard, und doch ist es genau diese Täglichkeit, die den Blick verschleiert auf die kleinen Änderungen, auf die Progression mit der Du voranschrittest. Vor mir, neben mir, hinter mir. Die Änderungen erschienen ja im Minutentakt. Das war durchaus etwas Einzigartiges in einer Welt verschnarchter “Webauftritte” und lausig programmierter Selbstdarstellungen.

Kaum war man ein Stündchen offline, hatte sich die Meldungswelt schon verändert. Das war nicht neu in der Zeitungswelt, aber neu in der Zeitungsleserwelt. Lange vor Twitter gab es bei Dir Nachrichtenupdates im Newstickertakt. Das machte Dir so schnell niemand nach, zumindest nicht in Schnitzelland.

Und dann kam das Jahr 2000. Das Jahr in dem das Österreich der Zweiten Republik seine Würde verlor. Seine politische und seine publizistische. Jörg Haiders Ankündigung, dass, wenn er etwas zu reden habe, in den Redaktionsstuben weniger gelogen werde, wurde nicht wahr. Als Haider was zu reden hatte, sprich, an der Regierung war, wurde mehr gelogen.

In dieser Zeit der Dunkelbesonnung und des Schweigekanzlerns warst Du, Online-Standard, ein Zufluchtsort für den Diskurs, ein liberales Asterixdorf inmitten der Ankündigungs- Affirmations- und Legitimationspresse. Ausgerechnet eines Deiner Gadgets wurde zu Deinem wichtigsten Atout. Das Online-Forum, gerne als schlecht beleumundeter Appendix belächelt, wurde zum Treffpunkt regierungskritischer und sonstwie aufmüpfiger Lesender. Unter dem Schutz der Anonymität wurden sie zu Autoren. Das ist jenseits der müssigen Debatte um Netz-Meerschweinchen, Klarnamen und Bezahljournalismus eine zivilisatorische Großleistung. Die diskursive Alphabetisierung des Landes. Das Wort wurde dem Stammtisch entzogen und öffentlich gemacht. Free Your Mind... and Your Ass Will Follow, sangen Funkadelic 1970. Free your speech... and Your Name Will Follow, singen die Klarnamenfreunde heute.

Der Erfolg des Standard-Online-Forums ist ohne Schüssel und Haider nicht erklärbar. Nicht seine Reichweite und nicht der dort gepflogene Ton (oder Unton), nicht sein Impakt auf das, was man früher die “Leser-Blatt-Bindung” nannte. Aus den Kommentaren des Online-Standards könnte man minutiös die Faltungen und Verwerfungen der österreichischen Gesellschaft rekonstruieren, die Verfasstheit des Landes und seiner Konstituenten. Späteren Forschergenerationen ist zu wünschen, dass dieser Schatz archiviert bleibt und dem akademischen Datamining offensteht.

Die Verantwortlichen wissen um die Wichtigkeit dieser eierlegenden Wollmilchsau. Ohne Standard-Online-Forum gäbe es den Online-Standard nicht. Und ohne Online-Standard den Standard wohl nicht mehr. So einfach ist das. So kompliziert ist das.

Zurück zu unserer Beziehung, Online-Lachs. Du bist das erste, was jeden morgen auf meinem Bildschirm erscheint. Seit dem Anbeginn der digitalen Zeitrechnung. (Tatsächlich dürfte unser Techtelmechtel erst 1996 begonnen haben, denn vorher hatte ich zwar schon einen eigenen Bildschirm, aber noch kein eigenes Telefonmodem. Wir erinnern uns, falls wir das können, das war jenes schrillkreischende Kästchen, das zwischen Computer und Telefonbuchse hing.)

Es liegt im Wesen von Beziehungen, dass sie im Falle einer glücklichen Entwicklung verklärt werden, im Falle des Scheiterns dämonisiert. Ich erinnere mich an eines der Motive, das mich in diesen frühen Zeiten an Dich band. Ich sparte mir, das durften alle wissen, die mich dazu befragten, viel Geld für totes Holz. Dennoch hatte ich das Gefühl, besser informiert zu sein, als zu Zeiten der Gutenberggalaxis. Besser in inhaltlicher Hinsicht und besser in Bezug auf die Aktualität der akquirierten Information. Zudem erlaubte der Online-Standard die exzessive Hingabe an eine guilty pleasure: Der Lektüre der schon erwähnten Leserpostings.

Du, geschätzter Internetlachs konntest von Anbeginn an all das, was andere Mediendampfer erst in den letzten Jahren mühsam und teuer und vielfach schlecht ins Netz stellten. Du stilltest mein Bedürfnis nach tagesaktueller Aufklärung, jenes nach individueller Meinungsaffirmation und das nach publizistischem Porno. Wer wie ich täglich und ausgiebig ins Standard-Online-Forum taucht, braucht keinen Blick in die Boulevardhefteln des Landes zu werfen. Und dennoch konnte (und kann) das Forum der Niedertracht noch mehr. Ich habe dort Beiträge von luzider Klarheit und bewegender Sprachkraft gelesen. Mitten unter bösem Müll. Perlen des Denkens. Es dürfte keine falsche Vermutung sein, dass sich im Standard-Online-Forum unter der sicheren Larve der Anonymität das Gros des politischen und publizistischen Establishments herumtreibt. Die Medienbeobachter und die Dienste sowieso. Klagbares und Unpublizierbares, so es die Wächterschranken der Zensoren passiert, kann die Adressaten politischer Botschaften schneller und sicherer erreichen als die Eingabe beim jeweiligen Salzamt.

Vielleicht spreche ich nicht nur für mich, sondern für viele hier. Wir sind in einer sicheren Beziehung miteinander, Online-Standard. Es ist keine Liebesbeziehung, sie ist nicht befeuert vom Wahnsinn manischer Zuneigung. Unser Verhältnis ist ein stabiles. Ich brauche Dich, Online-Lachs und Du brauchst mich. Ich lese Dich. Und Du liest mich. Täglich. Ad multos annos, alter Freund!

_____________
Andrea Maria Dusl über ihre Beziehung zum Online-Lachs (derstandard.at). Erschienen in der 20-Jahre-Jubiläumsasugabe von DER STANDARD am 31.1.2015: http://derstandard.at/2000010965841/Andrea-Dusl-Im-Netz-mit-dem-Online-Lachs

31. Januar 2015 (0) Comments

Neue Krankheiten - neue Medikamente

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 24.1.2015.

Das US-amerikanische Magazin ‘Mental Floss’ hat in satirischer und mentalitätskritischer Absicht 15 Krankheiten aufgelistet, die nach Ansicht der Autoren nur in der deutschen Sprache vorkommen. Neben eher harmlosen Erkrankungen wie dem Putzfimmel, dem Fernweh, der Torschlusspanik und der Frühjahrsmüdigkeit listet das Blatt auch grössere Wehwehchen auf. Etwa das Wertherfieber, jene tödliche Depressionserkrankung, die Leser von Goethes Roman “Die Leiden des jungen Werthers” zu Zeiten dessen Erscheinens in den Freitod trieb.

Frischere und romanfernere Verdüsterungen der Seele sehen die Ersteller der Hypochondrieliste im Weltschmerz, seiner Variante, dem Ichschmerz und generell in der Lebensmüdigkeit. Die genannten Befindlichkeiten, so die Autoren, seien auf deutschsprachige Patienten beschränkt und ausserhalb des Wetten-dass-Horizonts unbekannt. Ein Befund, der freuen darf. Nicht auszudenken, schmerzende Ichs befielen Italiener, Mexikaner oder Farmer aus dem Mittleren Westen. (Bei Argentiniern, Finnen und Ungarn wollen wir uns nicht so sicher sein.) Fremde, weil unbekannte Krankheitsbilder sehen Amerikaner offenbar auch in der Föhnkrankheit, im Hörsturz und im Kreislaufzusammenbruch. In gewissem Sinn kulminiert nach These der Mental-Floss-Autoren deutsches Unwohlsein schliesslich in Morbiditäten wie der Zivilisationskrankheit und der Modekrankheit (irrigerweise als “Zeitkrankheit” gelistet). Es handelt sich bei erster um eine Erkrankung konkreter, bei zweiter um eine diffuser Natur. Alles zwischen Stress, Essstörungen und Karpaltunnel-Syndrom kann aus US-amerikanischer Sicht modemarod oder zivilisationskrank machen. Man muss die Begriffe allerdings aussprechen können, füge ich hinzu.

Fehlen noch die deutschesten aller Auas: Ostalgie und Kevinismus. Letzter wird als Zwang verstanden, das eigene Kind mit der Vornamensbürde Justin, Mandy, Dennis, Cindy, Kevin oder H.C. zu behaften.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 24.1.2015.

24. Januar 2015 (0) Comments

Charlie und der richtige Zeitpunkt

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU CHARLIE' in Falter 05/2015.
Die Kolumne nannte sich diesmal 'FRAGEN SIE FRAU CHARLIE'
.

Liebe Frau Andrea,

nach den traurigen Ereignissen von Paris waren plötzlich sehr viele Menschen Charlie. Unter anderem befestigte man auch am Wiener Rathaus Transparente mit der Aufschrift "Je suis Charlie". Abgesehen von der damit verbundenen Geste und Aussage: Mich würde interessieren, wann der richtige Zeitpunkt wäre, die Transparente wieder abzunehmen.

Je suis Gerhard Mayer, Wien 18,
per forgewardeter Email

Lieber Gerhard,

im Rahmen der weltweiten Bestürzung über die religiös-ideologischen Morde von Paris ordnete der Wiener Bürgermeister Michael Häupl an, die Fahnen am Wiener Rathaus ab Donnerstagmittag (8.1.2015) auf halbmast zu setzen. Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo wolle Wien damit, hieß es in einer Aussendung, ein Zeichen der Solidarität und Anteilnahme setzen. Schon Mittwoch hatte sich Häupl tief betroffen gezeigt und gemeint, die Pressefreiheit müsse bewahrt und derartige Angriffe dürften nicht hingenommen werden. Die Fahnen am Rathaus sollten bis Freitag auf halbmast bleiben. Den Morden in der Charlie-Hebdo-Redaktion folgten weitere im Zuge der Geiselnahme im koscheren Pariser Supermarkt “Hyper Cacher” – vier jüdische Männer wurden ermordet. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Mem durch die Sozialen Netze gerast: Ein schwarzes Logo mit simpler weisser Typographie “JE SUIS CHARLIE.” Im Zuge des 9. Jänner liess die Wiener Stadtregierung das Sujet auf dem Hauptturm des Wiener Rathauses aufziehen. Es solle dort genau eine Woche lang hängen, tickerte das Rathaus. Eine Recherche und Analyse des Archivs der Panorama-Livekamera am Wiener Burgtheater bestätigt die minutiöse Einhaltung dieses Zeitplans. In der Frage nach der richtigen Dauer kommunaler Trauerbekundungen gibt es keine gültigen Antworten. Die Konventionen hanteln sich, der Schwere des Anlassfalles entsprechend, an kalendarischen Quantitäten entlang. Stadiontrauer dauert meist eine Minute, Staatstrauer in der Regel einen, drei oder sieben Tage. Ausnahmen bestätigen die Regel. Francos Tod 1975 führte zu 20 Tagen spanischer Staatstrauer, jener der Schwester von Thailands König Bhumipol im Jahre 2008 zu hundert Tagen thailändischer. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

24. Januar 2015 (0) Comments

Wider das Heilige!

Aus vielfach gegebenem Anlass:

An die Apologeten religiösen Appeasements hier und allerorten! Das Modell von Toleranz geht von der irrigen Überlegung aus, die Religionen wären so etwas wie Dialekte ein und derselben Sache, gesprochen von Naturvölkern und grundgut, wenn man sie nur ungestört walten liesse. Wäre das so, gäbe es religiösen Terror aus alle Richtungen, gleich wie sanfte Jazzmessenesoterik aus ebensovielen. Tatsächlich sind die Gewichte aggressiven religiösen Vorgehens nicht geich verteilt. Nicht lokal, nicht historisch. Im Grunde stehen wir hier vor dem selben Problem, das die Demokratie in Bezug auf demokratisch gewählte, aber undemokratisch gesonnene Bewegungen hat - das was man den Rechtsruck nennt, die Wutbürgerei, den Pegidismus, das Effentum. Das Kippen in Präfaschismen und das Hochschaukeln des Faschimus. Wenn es Menschen und Organisationen gibt, die staaliche Gesetze geringer achten, als religilöse, liegt Staatsgefährung vor. Religionen müssen deshalb der spirituellen Solidarität entwendet werden und zu Vereinszwecken degradiert werden. Gotteskult und Prophetismus muss so behandelt werden wie Sportvereine, Plauderrunden und Kulturinitiatven. Und zwar alle. Phänomenologisch wird man nicht umhin kommen, sie als Austauschrunden von Zwangsneurotikern, Boderlinern und Psychotikern zu betrachten und eine Gewichtung auf die Therapie der Symptome lenken. Sprich: dem Heiligen muss das Heilige entwunden werden. Ende der Durchsage.

23. Januar 2015 (0) Comments

Das Plagiat des Plagiats und das Rhizom

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 04/2015

Liebe Frau Andrea,

der ganze Plagiatstrubel der letzten Jahre hat mich jetzt richtig verunsichert, daher folgenden Frage: Wenn man eine Fälschung fälscht, hat man dann wieder ein Original?

Akademische Grüße,
Dr. Josef Dollinger, Wien 7

Lieber Herr Kollege,

wenn wir uns am Strassenmarkt in Bangkok oder auf einem chinesischen Internetportal einen schnittigen Gucci-Beutel oder eine schwergoldene Rolex zulegen, sind wir uns in der Regel bewusst, gefälschte Ware zu kaufen. Die Umstände sprechen gegen jede Echtheit. Trotzdem erwerben wir reale Gegenstände. Anders verhält es sich mit Original und Falsifikat in akademischen Kreisen. Gehandelt wird hier weniger mit Modeutensilien und Zeitmessern als mit Ideen und Publikationen. Kann sich eine Urkunde mit Stempel und Unterschrift, Siegel und Wasserzeichen gegen den Vorwurf absichern, Kopie zu sein, gelingt dies schwerer mit Nichtmateriellem, mit dem Inhalt selbst. Ein Pass kann echt sein und auf falschen Namen ausgestellt sein. Oder falsch und auf den richtigen Namen. Eine Dissertation kann angenommen, also echt, der Doktortitel dennoch betrügerisch erschrieben worden sein. Bleiben wir bei unserem Beispiel des windigen Strassenmarkts. Die Publikation eines wissenschaftlichen Plagiats entspräche dem Kauf einer falschen Gucci-Tasche im Gucci-Laden selbst. Die meisten Plagiate beziehen ihre Unredlichkeit daraus, dass die Verfasser Fremdes für Eigenes ausgeben. Würde man sich der wissenschaftlichen Sisyphus-Tortur unterziehen, alle Partikel eines plagiierenden Textes ihrer ursprünglichen Quelle zuzuordnen, hätte man jenes Original, das Sie mit ihrer Frage insinuieren. Diese Arbeit wäre nun aber keine Fälschung der Fälschung. Mit anderen Worten: Original und Fälschung sind nicht Elemente einer einfachen logischen Verknüpfung. In jener Welt, in der das Fälschen einer Fälschung zum Original führte, hätten wir einen Ariadnefaden zur Hand, der uns stets einen Weg im Labyrinth der Möglichkeiten wiese. Tatsächlich aber begehen wir jenes vielwurzelig verflochtene System von Abkürzungen und Schleifen, das die französischen Denker Gilles Deleuze und Félix Guattari “Rhizom” nennen. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

18. Januar 2015 (0) Comments

Mächtigste Waffe, wichtigstes Werkzeug

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Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 17.1.2015.

Ich darf mich vorstellen. Ich bin Charlie. Charlie Dusl. Pariserin. Zeichnerin. Satirikerin. Atheistin. Aufklärerin. Menschenfreundin. In einer Welt der Kontingenz bin ich ironisch und solidarisch. Ich habe ein weiches Herz aber eine scharfe Zunge. Je suis Charlie. Ich liebe die Menschen. Aber ich klage an. Und ich bin so frei, das Übel zu benennen. Was ist das Übel? Eine transzendente Instanz mehr zu achten, als auch nur das fremdeste Menschenleben, ist das Übel. Und wenn es nicht das Übel selbst ist, so ist es doch der Grund vielen Übels. Ein Menschenleben zu opfern, oder jemand auch nur geringeren Schaden zuzufügen, um einer Allmacht zu huldigen, ist übel. Einem rachsüchtigen Schöpfer und seinen Kolporteuren zu dienen und in seinem Namen grausam zu sein, zu leiden und zu wehen, weil und wenn er sich missachtet und geschmäht fühlen könnte, ist übel.

Was geht uns das an? Wir sind Demokratinnen westlichen Zuschnitts, modern, tolerant und pluralistisch, höre ich, wir verurteilen den Terror, wir sind für die Pressefreiheit, für die Redefreiheit, für die Freiheit der Kunst. Wir sind Charlie. Fürwahrlie. Aber. Man muss die religiösen Gefühle achten. Das schon, das ja. Man muss es nicht, sage ich. Man muss Menschen achten. Und nur sie. Religiöses Morden, religiöses Bösesein aus nur irgendeinem Grund zu exkulpieren ist so übel wie das Entschuldigte selbst. Aber wieso sollte man das Böse entschuldigen? Aus spiritueller Komplizenschaft. Sie ist das weitgehend unerkannte Problem einer Gesellschaft, die mit ihrem eigenen Gott noch nicht gebrochen hat. Die institutionellem Glauben noch immer den Status einer Normalität gibt.

Ergeben wir uns der bitteren Erkenntnis, hinter der die Süsse der Aufklärung wartet: Es gibt keine Allmacht. Es gibt nur Menschen und ihnen gehört sämtlicher Respekt. Dürfen wir also noch glauben? Gewiss. Ich zum Beispiel glaube an Jimi Hendrix. In Maßen. Und auch nicht jeden Tag. Täglich indes trage ich die Fackel der Aufklärung. Sie setzt nichts in Brand. Sie bringt Licht.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 17.1.2015.

17. Januar 2015 (0) Comments

Der Ofen der im Kreis geht

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 01.02.03/2015

Liebe Frau Andrea,

ein deutscher Kollege sorgte für Gelächter, als er sich bei einem Glas Rotwein einen Ofen anmachte und sich der Doppeldeutigkeit nicht bewusst war (er saß vorm Kamin). Ich konnte ihm den Ursprung dieser Redewendung nicht erklären, deshalb: Wissen Sie woher “einen Ofen bauen” als Synonym für Joint kommt?

Vielen Dank und liebe Grüße,
Thomas W., per Email

Lieber Thomas,

zunächst müssen wir klären, wovon wir hier in Wien überhaupt sprechen. Zugereiste und Neulinge auf diesem Feld (wir meinen strikt jenes der sprachlichen Beobachtungen) könnten sich schnell in Verwirrung verlieren. Als “Joint” verstehen wir gemeinhin eine selbergemachte Haschisch-Zigarette zum Zwecke des gemeinsamen Konsums. Ein Wiener Joint hat in unseren Breiten eine leicht konische Form. Sie wird vom Baumeister (unser erster Wienerischer Begriff) aus “Papers” (Zigarettenpapier aus der Trafik) und einem “Filter” (ein spiralig zusammengerolltes Stück Weisskarton) gefertigt. Als Füllung dient der Inhalt einer nichtparfürmierten Filterzigarette sowie die zentrale Ingredienz: Zerbröseltes Haschisch. Dies ist aus den Blütenständen der weiblichen Cannabispflanze gewonnenes und zu Platten oder Blöcken gepresstes Harz, von fahler brauner Farbe und bröseliger, manchmal leicht öliger Konsistenz, jedenfalls aber hierzuorte “Piece”, “Bröserl”, “Kit” oder “Shit” genannt. Selten werden Wiener Joints mit Gras (Marihuana) gefüllt, den getrockneten, meist zerkleinerten Blütentrauben und blütennahen, kleinen Blättern der weiblichen Hanfpflanze. Wichtges Merkmal Wienerischer Haschischkultur ist das Zusammendrehen der überständigen Papers-Anteile zu einem Schopf und das minutiöse Falzen eines endständigen Randes. Den solcherart zu einem Deckel gewordene Ende des Joints nennen die Wiener “Hütchen”. Mit einer Drehung unter Flamme wird die Falzung (der Rand) abgeglimmt und das Hütchen abgenommen. In Wien spricht man selten vom “Joint”, allenfalls vom “Joe”, mit grössere Häufigkeit aber vom “Gerät”. Unser “Ofen” ist ein gleichermassen gängiges Synonym, das vermutlich ursprünglich nur die selbergebaute Wasserpfeife bezeichnete, ein Gerät, bei dem Wasser als Kühlung (und Filter) dient. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

12. Januar 2015 (0) Comments

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